Aktuelles

30 Jahre

der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz
Jubileum der IJBS

Am 7. Dezember sind 30 Jahre seit der Entstehung der Jugendbegegnungsstätte vergangen, eines deutsch-polnischen Projektes, in dem Visionen von Menschen mit Vorstellungskraft, Mut und Entschlossenheit ihre Verwirklichung gefunden haben. Die gemeinsame Unternehmung der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste aus Berlin und der Stadt Oświęcim machte es möglich, in Auschwitz, diesem von der Geschichte so sehr gezeichneten Ort, eine Stätte der Begegnung, des Dialogs, der Überwindung von Stereotypen und Vorurteilen aus der Vergangenheit zu schaffen. Ein Haus, das vielen Überlebenden des KZ Auschwitz - den Zeitzeugen - zum zweiten Zuhause geworden ist, hat dem Prozess der deutsch-polnischen Versöhnung neue Möglichkeiten eröffnet.

Am Abend des 10. Dezembers fand in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Ausschwitz eine Veranstaltung anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Jugendbegegnungsstätte statt. Dieses Event war der Höhepunkt von zahlreichen künstlerischen Projekten und Vorhaben, die im letzten Jahr unter dem Motto „Haus der Werte – Unsere Wegweiser” umgesetzt wurden. Über 350 Personen - mehr als erwartet - kamen in dem außergewöhnlich beleuchteten Haus an und erhielten ein Kuvert mit dem „Brief an die Gäste”, wo auch das Programm und die Informationen über die Begleitausstellungen standen. Die Gäste wurden darüber hinaus mit einem IJBS-Jubiläumskalender und dem Spiel „Memory – Entdecke die Werte” beschert. Die Gäste wurden durch die ungewöhnliche Gestaltung des Forumsaals überrascht. An den Wänden wurden Ergebnisse des deutsch-polnischen Foto-Workshops „Gesichter der Stadt – Facetten der Erinnerung” und des deutsch-polnisch-ukrainischen Seminars „Lernen aus der Geschichte: Hassrede“ präsentiert. Im Fokus war eine schaukelnde Frau, deren Zusammenhang mit der Botschaft des Abends durch das Publikum aber erst dann entdeckt wurde, nachdem es das Märzblatt des Kalenders gesehen hatte, das dem Wert „Überwindung von Barrieren“ zugeordnet war. Diese untypische Form - eine Performance - machte es möglich, die Bereitschaft der Gäste zur praktischen Überwindung von selbsteinschränkenden Konventionen zu testen, was auch gelungen ist. Diese Angebote haben u.a. Diplomaten, Abgeordnete und Direktoren von wichtigen und renommierten Institutionen in Anspruch genommen.

Die Veranstaltung begann mit der Überreichung, der vom polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda verliehenen goldenen und silbernen „Medaillen für den langjährigen Dienst“, durch den Vizewoiwoden von Kleinpolen Piotr Ćwik. Auf die tiefgerührten, dankerfüllten Ausgezeichneten Jerzy Grzybowski, Ewa Guziak, Dorota Kikla, Zofia Neczek, Piotr Rusinek, Elżbieta Pasternak und Jolanta Staroń war das gesamte IJBS-Team sehr stolz.

Die Einleitung als Gastgeber und Moderatoren übernahmen Christoph Heubner, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, und Leszek Szuster, der Direktor der IJBS. Die Überlebenden des KZ Auschwitz Anna Szałaśna und Prof. Wacław Długoborski wurden traditionsgemäß im Haus ehrenvoll begrüßt.

Im offiziellen Teil ergriffen die Stifter des Hauses als erste das Wort: seitens der Stadt der Präsident Janusz Chwierut, der dem Direktor Leszek Szuster die Statuette „Botschafter der Stadt Oświęcim“ überreichte, und seitens der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste Dr. Stephan Reimers. Beide Redner sprachen über die wichtige Rolle der Jugendbegegnungsstätte bei der Normalisierung der deutsch-polnischen Beziehungen. Im Namen des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau sprach dann der stellvertretende Direktor Andrzej Kacorzyk. Er betonte, wie außergewöhnlich die Arbeit der IJBS ist und bedankte sich bei den Mitarbeitern für ihre Aktivitäten im Bereich Erinnerungsarbeit, Übermittlung der Geschichte und Sorge um die Überlebenden. Im Namen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ergriff der Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek das Wort, der die beindruckenden Erfolge des Hauses bei der Überwindung von Stereotypen und Vorurteilen aus der Vergangenheit sowie bei der Gestaltung der Gesinnung von polnischen und deutschen Jugendlichen auf Basis der Erfahrungen aus der Geschichte hervorhob. Im Namen der Volkswagen AG sprach Ines Doberanzke, die auf die kontinuierlichen, engen Beziehungen der VW-Gruppe und der IJBS im Rahmen der seit über 20 Jahren umgesetzten Projekte für Auszubildende, Meister und Manager hinwies. Leszek Szuster dankte für diese Worte. Er bedankte sich auch für die langjährige materielle Unterstützung des Hauses und für den Volkswagen Transporter, der dem Haus am Vortag für die Umsetzung der Projekte des Hauses übergeben worden war.

Zum Abschluss der offiziellen Reden trat der deutsche Generalkonsul in Krakau Dr. Michael Groß auf, der - in polnischer Sprache - die Vielseitigkeit der Aktivitäten des Hauses unterstrich und das letzte gemeinsame Projekt des Konsulats und der IJBS im Rahmen des deutsch-polnischen Seminars für Blinde und Sehbehinderte „Worte und Werte” erwähnte.

Anschließend wurden zwei, extra für diese Veranstaltung konzipierten Ausstellungen „Von der Idee zur Umsetzung” und „VENI, VIDI, AGNOVI” durch Wolfgang Brinkel, Viktoria Graenert, Zbigniew Jekiełek, Christoph Heubner, Andreas Kilian, Andrea Genest und Paula Martini symbolisch eröffnet. Die Autoren dieser Ausstellungen sind Mitarbeiter der Jugendbegegnungsstätte, das Layout und den Satz übernahm Barbara Daczyńska.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Konzert „Haus der Werte – Unsere Wegweiser”. Hervorragende Musiker unter der künstlerischen Leitung von Jacek Hołubowski, der seit Jahren mit dem Haus zusammenarbeitet, illustrierten musikalisch 12 Werte, die Wegweiser für die Arbeit der Jugendbegegnungsstätte sind: Freiheit, Hoffnung, Überwindung von Barrieren, Gerechtigkeit, Gleichheit, Verantwortung, Toleranz, Verständigung, Dialog, Begegnung, Respekt, Solidarität.

Diese 12 Musikwerke waren mit schönen Animationen von Krystyna Oniszczuk-Dylik und Videoclips von Iwona Trybuś synchronisiert, die die historischen und aktuellen Erfolge des Hauses im Bereich Bildung, Kultur und staatsbürgerliche Aktivitäten bebilderten. Diese Präsentationen wurden durch Aussagen, der mit dem Haus befreundeten Autoritäten: Dariusz Maciborek, Esther Bejerano, Jurek Owsiak, Roman Kent, Prof. Andrzej Zoll, Prof. Klaus Staeck, Romani Rose, Dr. Anna Maria Potocka, Priester Dr. Manfred Deselaers, Zofia Posmysz, Andrzej Seweryn, Marian Turski, sowie der anwesenden Jugendlichen zu den hier dargestellten Werten begleitet. Das ganze wurde auf zwei Videowänden mit Live-Übertragung im Internet dargeboten. Die Vorstellung bewegte das Publikum und zwang es zum Nachdenken.

Der Höhepunkt des Abends war die Zeremonie „Der Auftrag der Erinnerung”. Das Gedicht von Zbigniew Herbert „Herrn Cogitos Vermächtnis” wurde durch Jacek Romanowski, den Schauspieler des Alten Nationaltheaters in Krakau und Małgorzata Gwinner dargeboten. Dieses einzigartige Werk, das durch die Zeitzeugen, Überlebenden des KZ Auschwitz öfters als Motto herbeigerufen wird, wurde mit Unterschriften von Anna Szałaśna und Prof. Wacław Długoborski sowie von zwei Jugendlichen, quasi als eine Form einer Generationsstaffel, versehen. Diese außergewöhnliche, zweisprachige Erklärung wurde von sehr vielen Anwesenden unterschrieben.

Die Ehrengäste haben dann im inoffiziellen Teil des Abends die Jubiläumstorte mit dem Logo des 30-jährigen Jubiläums der IJBS angeschnitten.

Zum Schluss bedankte sich der Direktor Leszek Szuster bei allen Freunden, Partnern und Sponsoren des Hauses, die unsere Jugendbegegnungsstätte inhaltlich und finanziell unterstützen. Ein besonderer Dank gilt den deutschen, in Polen tätigen Stiftungen: der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung, der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit, dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk, dem Internationalen Auschwitz Komitee, der Stadt Oświęcim und dem Landratsamt von Oświęcim, dem Marschallamt, sowie den bei der Veranstaltung anwesenden Tadeusz Dziędziel und Łukasz Dziędziel von der Firma Omag, Janusz Synowiec und Krzysztof Kufel von der Firma Enco, den Firmen Meta, Plantpol, Würth, Ipsen, der Gruppe Kęty, den Firmen Austrotherm, Hestia, Man und SFW Energia.

Die Veranstaltung wurde mit einem Bankett abgerundet, bei dem die durch Małgorzata Gwóźdź und Kamil Krupnik gesammelten und bearbeiteten Archivmaterialien dargestellt wurden.

Foto: Dominik Smolarek

Hotel Services

Zur Verfügung unserer Gäste stehen drei großzügig angelegte Wohnpavillons mit 100 Übernachtungsplätzen in Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfbettzimmern.

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