Kinder- und Jugendrechte

  • Im ersten Modul wurde während eines dreitätigen Workshops versucht, Verständnis und Empathie für die Situation der Kinder und Jugendlichen in der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust anhand von Berichten jüdischer Kinder und ihrer Schicksale, die 1944 - 1948 protokolliert wurden, zu entwickeln. Das Jahr 2012 war Janusz Korczak gewidmet. Die Aufmerksamkeit wurde deshalb auf die pädagogischen Ideen und Praxis von Korczak gerichtet, die die neue Wahrnehmung des Kindes als Subjekt ermöglichen, dem eigene Rechte und Freiheiten zustehen. Seine Theorie war eine Inspiration für die nach dem 2. Weltkrieg entstandenen Dokumente zum Schutz der Kinderrechte.
    Siehe Bericht und Fotogalerie zum ersten Modul
  • Im zweiten und dritten Modul wurden die TeilnehmerInnen in die Grundbegriffe des Rechtswesens und die Beziehung zwischen Staat und Individuum vor dem Hintergrund des demokratischen Systems eingeführt. Des Weiteren wurden die Genese und Entstehungshintergründe der Menschen- und Kinderrechte erläutert und die Entwicklung der rechtlichen Instrumente zum Schutz auf globaler und europäischer Ebene thematisiert. In den weiteren Workshops wurde genau auf das Dokument der Kinderrechtskonvention eingegangen und die Konventionsstandards mit der Gesetzgebung in Polen verglichen (Fallarbeit). Dann folgte die Bewertung der Situation in der Schule sowie der Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern. Die Thematik betraf Rechte (unveränderbar) und Regeln (veränderbar) in Bezug auf die Institution Schule. Die einzelnen Übungen sollten den SchülerInnen helfen, die Beziehungen in der Schule vor dem Hintergrund der Verletzungen der Menschen- und SchülerInnenrechte zu bewerten. In diesem Jahr galt die besondere Aufmerksamkeit dem Problem der Diskriminierung. Der Ausgangspunkt zur Diskussion darüber war der Film „Blue Eyed“, der den Jugendlichen die einzigartige Chance zur Empathie mit den Personen, die verschiedene Art von Verfolgung im Alltag erfahren, bot. Das erlaubte ihnen nicht nur die Wahrnehmung der Diskriminierung in der eigenen Umgebung, sondern auch eine Reflexion in Bezug auf eigene Verhaltensweisen – aktive und passive – sowie ihre Konsequenzen für das Umfeld. Ein Teil der Workshoparbeit war die Einführung der Definition von Diskriminierung sowie die Analyse von einem ihrer Elemente – der tatsächlichen und symbolischen Macht und ihrer Erscheinungsformen.
    Siehe Bericht und Fotogalerie zum zweiten Modul
    Siehe Bericht und Fotogalerie zum dritten Modul
  • Im vierten Modul wurde mit von den TeilnehmerInnen eingebrachten, konkreten Beispielen von Verletzungen der Menschen- und Kinderrechte gearbeitet, die diese persönlich erfahren oder in ihrem nächsten Umfeld beobachtet haben. Dafür wurde eine aktive Form gewählt, die bei den Jugendlichen Offenheit, Kreativität sowie kritisches Denken und Handeln im Umgang mit unterschiedlichen Konfliktsituationen fördern sollte: Theatre of The Oppressed/Forum Theater.
Siehe Bericht und Fotogalerie zum vierten Modul

Projektpartner waren ExpertInnen aus folgenden Institutionen: Jüdisches Historisches Institut in Warschau, Helsinki Föderation der Menschenrechte in Warschau, Verein „Pro Humanum“ in Warschau, Institut für Europäische Studien an der Jagiellonen Universität in Krakau, Jüdisches Bildungszentrum in Oświęcim, Trainerinnen des Theatre of the Oppressed/Forum Theater.

Die Projektedition 2012 schließt die dreijährige Zusammenarbeit der IJBS mit der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. 2013 erschien die Projektdokumentation. Im Januar 2014 (24-26.01.2014) findet das Qualifizierungs- und Vernetzungstreffen für polnische Projekte und BildungsexpertInnen aus den Feldern Menschenrechtsbildung und Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus „Geschichte und Menschenrechte: Erinnerung, Bildung und Handeln” statt.

Das Ziel des Seminars ist die Vorstellung und Auswertung der in Polen mit Förderung der Stiftung EVZ durchgeführten Projekte sowie eine Diskussion mit eingeladenen ExpertInnen, ob und wie die Verbindung beider Bereiche sinnvoll und gewinnbringend sein kann. Ein Augenmerk gilt dabei der Frage nach den Möglichkeiten und Begrenzungen der Menschenrechtsbildung an authentischen, historischen Orten, wie in Oświęcim/Auschwitz. Das Seminar richtet sich an ProjektkoordinatorInnen, MitarbeiterInnen von Gedenkstätten und Museen, von NGOs und von Schulen und Universitäten aus beiden Feldern.

Konzept und Leitung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

An der dritten Edition des Projektes "Menschenrechte beginnen mit den Rechten von Kindern und Jugendlichen" nahmen SchülerInnen von den Oberschulen aus Oświęcim, Tychy und Kęty teil.

Das Ziel des ersten Workshops (08.03.-10.03.2012) war, den Jugendlichen den Zusammenhang der Ereignisse des zweiten Weltkrieges und des Holocaust mit den Bestrebungen der internationalen Gemeinschaft nach 1945, ein internationales System zum rechtlichen Schutz der Menschenrechenrechte zu schaffen, bewusst zu machen – sagte Elżbieta Pasternak, die Projektkoordinatorin seitens der IJBS. Anhand des bisherigen Wissens und unserer Erfahrungen versuchten wir zuerst auf die Frage: was sind Menschenrechte? einzugehen.

Robert Szuchta, der das Jüdische Historische Institut in Warschau repräsentierte, erläuterte in den historischen Workshops Mechanismen, die dazu geführt haben, dass Juden nicht mehr als Menschen wahrgenommen wurden, dass ihnen jegliche Rechte genommen wurden und dass sie zur Vernichtung verurteilt wurden. Das Interesse der SchülerInnen focussierten wir dann auf das Schicksal der jüdischen Kinder. Es wurde ihnen auch die Biographie und das Werk von Janusz Korczak – dem Pädagogen, Arzt und Freund der Kinder näher gebracht.

In der Auswertungsdiskussion zum ersten Modul des Projektes betonten die Jugendlichen, dass sie zum ersten mal die Gelegenheit hatten, die Geschichte nicht als einen abstrakten Katalog von Daten, Namen und Fakten, sondern als ein Schicksal von konkreten Menschen, dessen Leben der Krieg und der Holocaust unauslöschlich geprägt haben, kennen zu lernen. Um ihr Schicksal zu verstehen brauchen wir Empathie und Sensibilität. Sie helfen uns auch besser die uns umgebende Wirklichkeit zu verstehen und auf gegenwärtige Erscheinungen des Böses und des Unrechts zu reagieren.

Den Workshops (23.05.-26.05.2012) begannen wir mit der Präsentation der „Hausaufgabe” der WorkshopteilnehmerInnen: der Interviews mit den Zeitzeugen des 2. Weltkrieges und des Holocausts. Eine Gruppe sprach mit Frau Helena Gębiś, die mit dem Kavalierkreuz des Ordens zur Wiedergeburt Polens für die Hilfe für die Häftlinge des KL Auschwitz ausgezeichnet wurde – Die Häftlinge waren überall, sie haben in der IG Farben Fabrik gearbeitet, jeden Tag, als sie von der Bahnhofstation in die Fabrik und dann zurück gingen, marschierten sie an meinem Haus vorbei. Meine Mutter bereitete geschmiertes Brot vor und ich brachte es den Häftlingen. Ich war damals ganz jung, etwa 10 – 12 Jahre alt – erinnert sich Frau Helena.

Dank der Eltern konnte ich helfen. Sollte ich die Zeit zurückstellen, würde ich nichts in meinem Handeln ändern. Von Kindheit an wurde mir beigebracht, dass die Hilfe einem Mitmenschen am wichtigsten ist.

Die Hausaufgabe war für viele TeilnehmerInnen die erste Gelegenheit den Geschichten von ihren nächsten Personen, die damals als Kinder die Tragödie des Krieges erlebt haben, zuzuhören. Bei den nächsten Übungen machten wir die Jugendlichen auf die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, Mechanismen des rechtlichen Schutzes der Menschenrechte zu schaffen, aufmerksam. Die Vorträge und Übungen, die Dr. Michał Kowalski und Dr. Wojciech Burek leiteten, erlaubten den Jugendlichen zu begreifen, was drei Generationen von Menschenrechten sind, was positive und negative Menschenrechte sind, wie man den Eingriff des Staates in die Sphäre der Rechte und Freiheiten eines Menschen von ihren Verletzungen unterscheidet und wie die Schutzmechanismen funktionieren. Unter Leitung von Martyna Majewska, einer Juristin und Mitbegründerin des Vereins Pro Humanum, konnten die Jugendlichen praktisch erfahren, wie das Recht entsteht. Die Gruppen erstellten u.a. einen Katalog mit den wichtigsten Rechten und Freiheiten, die laut ihnen jedem Kind zustehen sollten. Viele Kontroversen erweckte bei der Diskussion das Recht auf die Entwicklung in der Familie – erklärte Elżbieta Pasternak, die Projektkoordinatorin.

Was bedeutet heute Familie?; Welche Familienmuster funktionieren heute?; Welche Rechte stehen in der Familie den Eltern, und welche dem Kind zu?; Welche Pflichte und Rechte hat in diesem Kontext der Staat?; Wie sollte der Staat das Kind schützen? – diese Fragen tauchten in der Diskussion auf. Viel Aufmerksamkeit widmeten wir auch dem Recht auf Bildung, das samt dem Diskriminierungsverbot die Hauptthemen des dritten Moduls waren.

Der dritte Workshop (19.09.-21.09.2012) im Rahmen des Projektes begann mit der Präsentation der „Hausaufgabe”: der Analyse der Schulstatuten vor dem Hintergrund der Artikel der Kinderrechtskonvention. Viele SeminarteilnehmerInnen gaben zu, dass sie zum ersten Mal aufmerksam die Inhalte, die ihre Rechte und Pflichten sowie die Beziehung mit der Schulverwaltung festlegen, recherchiert haben. Es wurden einige Beispiele für Situationen genannt, in denen der Wahrnehmung der TeilnehmerInnen nach die SchülerInnenrechte verletzt wurden. Diese Beispiele wurden der fachkundigen Beurteilung von Frau Elżbieta Czyż von der Helsinki Föderation für Menschenrechte unterzogen. Als Expertin im Bereich der Kinder- und SchülerInnenrechte in Polen erklärte sie unter anderem, wie man Verletzungen der Menschen- und SchülerInnenrechte von Ordnungsübertretungen unterscheiden soll. Bei den praktischen Übungen erstellten die TeilnehmerInnen Kataloge der Rechte und Pflichte eines Schülers, sowie die zu ihrer Verwendung unabdingbare Prozeduren, und bezogen sich dabei oft auf die Gedanken und Praktiken von Janusz Korczak.

Besonderes Augenmerk lenkten wir in diesem Modul auf das Problem der Diskriminierung. Die Workshops zu diesem Thema fanden im Jüdischen Zentrum in Oświęcim statt und wurden von Tomasz Kuncewicz und Maciek Zabierowski geleitet. Anfangs setzten wir uns mit den Konsequenzen von Diskriminierung auseinander, indem wir uns mit dem Experiment, das in den 60-er Jahren in den USA von Jane Elliot durchgeführt und in dem Dokumentarfilm BLUE EYED festgehalten wurde, bekannt machten. Die weiteren Übungen ermöglichten den TeilnehmerInnen persönlich zu erfahren, was Ausgrenzung bedeutet. In dem zweiten Übungsblock erwogen wir gemeinsam die Ursachen der Diskriminierung. Die SeminarteilnehmerInnen beschrieben Situationen, in denen sie sich diskriminiert gefühlt, in denen sie diskriminierende Verhaltensweisen in Bezug auf eine andere Person praktiziert haben und in denen sie Zeugen der Diskriminierung waren. Die eigenen diskriminierenden Verhaltensweisen, die wir meist im Alltag nicht bewusst wahrnehmen und die sich in den sogenannten "Mikroungleichheiten" manifestieren, zu beschreiben, war keine leichte Aufgabe. Des Weiteren charakterisierten wir die Mechanismen der Stereotypisierung, indem wir die Bilder aus dem öffentlichen Raum analysierten. Die ausgewählten Fotos und Bilder berührten die stereotypenhafte Wahrnehmung von verschiedenen sozialen Gruppen sowie Minderheiten in Polen und die daraus resultierenden Vorurteile.

Eine Bereicherung der Workshops war die Eröffnung der Ausstellung „Berlin-Yogyakarta. Von der nationalsozialistischen Verfolgung homosexueller Menschen bis zu Menschenrechten heute”, an dem die Projektgruppe teilgenommen hat. Die Ausstellung thematisierte die Diskriminierung und Verfolgung nichtheterosexueller Menschen im historischen und gegenwärtigen Kontext und wurde von dem Verein Kampagne gegen Homophobie vorbereitet.

Der vierte Workshop (01.12.-05.12.2012) basierte auf einer Methode des Theaters der Unterdrückten, einer Entwicklung des brasilianischen Regisseurs Augusto Boal um die Wende der 60-er und 70-er Jahre – dem Forum Theater. Heutzutage ist das Theater der Unterdrückten, in über 70 Ländern und auf 6 Kontinenten der Welt ein Weg zur therapeutischen, aber auch der politischen und gesellschaftlichen Wandlung. In Boals Händen wurde es zum Werkzeug, einen Raum zu bilden, in dem der herkömmliche theatralische Monolog zum Dialog zwischen Bühne und Zuschauerraum verwandelt wird.

Dieser Raum erlaubt, den Unterdrückungsgegenstand zu erkennen, sich mit ihm zu identifizieren, die Unterdrückung frei in der Gruppe zu diskutieren und versuchen diesen freizügig zu beeinflussen. Die TeilnehmerInnen, unter Leitung der Trainerinnen: Dominika Bedryjczuk und Dominika Akuszewska improvisierten und schufen das Scenario selbst. Jede/r konnte eine Geschichte vorschlagen, um die eine Handlung entwickelt wurde. Die Einzigartigkeit des Forum Theaters besteht darin, dass auch die eingeladenen Zuschauer an der Aufführung aktiv teilnehmen können: auf die Bühne gehen, in den Verlauf der Handlung eingreifen, indem sie eigene Lösungen zum dargestellten Problem vorschlagen. Jede/r kann zugleich Zuschauer, Schauspieler und Macher sein und das Schicksal der Helden beeinflussen. Die Zuschauer, indem sie in die Rolle der Hauptfigur reinschlüpfen, erforschen die zugänglichen Handlungsalternativen und trainieren die möglichen Lösungswege der Probleme, die mit ihren alltäglichen Schwierigkeiten identisch sind.

Das Publikum des Forum Theaters bildeten die SchülerInnen und LehrerInnen vom Zentrum der Technischen und Sportschulen des Landkreises Oświęcim. Die drei von den ProjektteilnehmerInnen vorbereiteten Szenen: „Der Andere“, „Religionsunterricht“, „Die Wand“ berührten die Verletzungen der Kinderechte in verschiedenen Kontexten. Das Publikum suchte nach konstruktiven Lösungen des jeweiligen Problems und bezog sich dabei auf eigene Erfahrungen sowie auf die Artikel der Kinderrechtskonvention.

Die gemeinsam erlebte Aufführung – laut der Intention der ProjektteilnehmerInnen – sollte das Publikum zu Veränderungen im eigenen Leben motivieren und ein Impuls zum aktiven Reagieren auf Unrecht und Ungerechtigkeit, die uns umgeben, sein.

An diesjährigem Projekt nahmen SchülerInenn aus folgenden Schulen teil:

  • Powiatowy Zespół Nr 1 Szkół Ogólnokształcących im. Stanisława Konarskiego w Oświęcimiu
  • Powiatowy Zespół Nr 2 Szkół Ogólnokształcących Mistrzostwa Sportowego i Technicznych w Oświęcimiu
  • Powiatowy Zespół Nr 3 Szkół Technicznych i Ogólnokształcących im. Por. Stefana Jasieńskiego w Oświęcimiu
  • Powiatowy Zespół Nr 5 Szkół Budowlanych w Oświęcimiu
  • Powiatowy Zespół Nr 9 Szkół im. Marii Dąbrowskiej w Kętach
  • Powiatowy Zespół Nr 10 Szkół Mechaniczno-Elektrycznych im. Mikołaja Kopernika w Kętach
  • I Liceum Ogólnokształcące im. Leona Kruczkowskiego w Tychach

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Zur Verfügung unserer Gäste stehen drei großzügig angelegte Wohnpavillons mit 100 Übernachtungsplätzen in Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfbettzimmern.

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