DIE GESCHICHTE

FÄNGT IN DER FAMILIE AN…
DEUTSCH-POLNISCH-UKRAINISCHES SEMINAR FÜR JUGENDLICHE
Termin:
Teil 3: 19.03.-25.03. 2016, Lemberg/Ukraine
Organisation:
IJBS Oświęcim/Auschwitz, Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen, Stiftung Grundlagen der Freiheit in Lemberg
Info:
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Reflexionen nach dem Seminar in Lviv aus der Perspektive der deutschen Gruppe.

Alles kommt irgendwann zu einem Ende. Manchmal ist das gar nicht schlimm, manchmal aber auch ziemlich schade und kommt gefühlt viel zu schnell. Bei dem letzten Teil des Jugendbegegnungsprojektes „History begins in the family“ (zu dt.: „Geschichte beginnt in der Familie“) war eindeutig letzteres der Fall.

Am Abend des 18. März traf sich die deutsche Gruppe wie schon im Oktober für die Reise nach Polen am ZOB in Hannover. Nach mittlerweile zwei Begegnungen kannten wir uns untereinander schon recht gut, die Teilstrecke nach Oświęcim, wo wir die polnische Gruppe treffen sollten, waren wir so auch schon beim letzten Mal gefahren und die große Aufregung hielt sich somit in Grenzen. Es war schön, einander wiederzusehen. Mit Gesprächen über das, was uns in der Ukraine wohl erwarten mochte, verkürzten wir das Warten auf den Bus. Es wurde sich außerdem darüber ausgetauscht, was seit Oktober so alles passiert war und dass das Wetter in Deutschland gerade so schön frühlingshaft geworden war und wir uns nun gerade jetzt erstmal wieder auf den Weg in die Kälte machten. Trotz der gefühlten Normalität war es doch ein komischer Gedanke, dass dies das vorerst letzte Mal sein würde, dass wir in dieser Konstellation gemeinsam aufbrechen würden.

Unser Bus verließ den ZOB wie geplant um 21:30 Uhr, Eltern und Großeltern winkten fleißig zum Abschied und dann ging es auch schon los. Für drei von uns hatten gerade die Osterferien angefangen, wir unterhielten uns auf der Busfahrt über den vorferienlichen Klausurenstress und unsere Facharbeiten. Erschöpft von der Nacht im Bus erreichten wir am 19. März gegen Mittag endlich Oświęcim. Nach und nach trafen dort in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte auch die Teilnehmer der polnischen Gruppe ein. Das erste Wiedersehen war freudig, aber noch ein wenig zurückhaltend. Vor allem musste man sich erst einmal wieder an das Sprechen auf Englisch gewöhnen. Von Oświęcim aus ging es schließlich schneller als gedacht in die Ukraine, wo wir abends in dem Svitlytsia Retreatment Centre, unserer Unterkunft, ankamen. Hier verbrachten wir fünf erlebnisreiche Tage, lernten Lviv bei einer historischen Schatzsuche näher kennen, trafen die Zeitzeugin Yaroslava Melnychuk, stellten einander unsere Stammbäume vor und tauschten uns auch über aktuelle Konflikte aus. Zum Abschluss haben wir uns am letzten Abend alle gemeinsam den von Olga Shevchuk aufgenommenen und produzierten Film über unsere Begegnung im Herbst angeschaut. Es war schön, die vergangene Zeit noch einmal Revue passieren zu lassen und gleichzeitig ein mulmiges Gefühl, dass dies nun der letzte Abend mit der Gruppe war. Es ist erstaunlich, wie sehr man in doch so wenig Zeit zusammenwächst, einander näher kennen und verstehen lernt.

Früh morgens am 25. März war es dann schließlich soweit: die große Verabschiedung stand an. Und auch wenn Tränen flossen, man es noch gar nicht so richtig fassen konnte, bin ich mir sicher, dass dies wortwörtlich ein „Auf Wiedersehen“ war...

Johanna: Am Anfang des dritten Teils unseres Projektes entfernten wir uns ein wenig von der Geschichte und kamen bei der aktuellen Lage in der Ukraine an. Getreu unseres Mottos: „Aus der Vergangenheit für die Zukunft“. Im zweiten Abschnitt der Woche hatten wir dann die Möglichkeit, die Stadt auf ihre historischen Spuren zu untersuchen. Somit war in dieser lehrreichen und trotzdem lustigen Woche für jeden etwas dabei.

Annalena: Der dritte Teil des Projektes in Lviv in der Ukraine war für mich sehr interessant, da dort neben der grausamen Nazi-Geschichte auch die sowjetische/ukrainische Geschichte und die ebenfalls schrecklichen Gefängnisse und Arbeitslager des Gulags thematisiert wurden, mit denen ich mich bisher noch nicht so ausführlich auseinandergesetzt habe, wie mit anderen Epochen der Geschichte. Diesbezüglich hat mich insbesondere das Gespräch mit Yaroslava Melnychuk sehr berührt. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie sich so viel Zeit für uns genommen hat! Natürlich hatten wir als Gruppe auch außerhalb der Seminare wieder eine tolle Woche und viel Spaß zusammen. Allerdings war dieses Treffen mit Sicherheit das traurigste der drei, da das Ende des Projekts nahte. Aber ich bin mir sicher, dass wir alle auch nach diesem letzten Treffen noch lange in Kontakt bleiben werden! Ein riesen Dankeschön an die Organisatoren, die uns all die wertvollen Erfahrungen und Erlebnisse während des Projekts ermöglicht haben, und natürlich auch an alle meine neuen Freunde aus der Ukraine, Polen und Deutschland für die tolle Zeit, die wir zusammen verbracht haben!

Oriana: Durch das Projekt habe ich so viele interessante Menschen kennen gelernt. Die Treffen mit den Zeitzeuginnen waren für mich eine zusätzliche Motivation, die Geschichte erhalten zu wollen und gegen das Vergessen zu kämpfen. Innerhalb dieser wenigen Wochen, die wir miteinander verbracht haben, sind wir alle eine Gruppe geworden, in der jeder seinen Teil zum Gelingen des Projektes beigetrug. Es war eine unwahrscheinlich schöne Erfahrung, all die Orte gemeinsam mit anderen Jugendlichen aus Deutschland, Polen und der Ukraine zu besuchen und mehr über ihre Sichtweisen auf die Geschichte zu erfahren.

Helena: Ich kann gar nicht genau sagen, was mir an diesem Projekt am besten gefallen hat. Im Endeffekt war es wahrscheinlich genau die Mischung aus Interkulturalität, dem Lernen über die Geschichte fernab von dem teils sehr abstrakten Geschichtsunterricht in der Schule und dem Austausch über Aktuelles bzw. dem Fazit Ziehen, was wir aus der Vergangenheit lernen können. Nebenbei haben wir zwei wunderschöne Städte, Lviv und Krakow, in zwei interessanten Ländern besucht und neue Freundschaften geschlossen. Ich werde mich auf jeden Fall gerne an diese Zeit zurückerinnern! Vielen Dank an alle, die uns dieses Erlebnis in dieser Form ermöglicht haben und auch an alle, die teilgenommen haben, weil wir sind es am Ende, die bestimmen, wie wir den Rahmen füllen, der uns von den Organisatoren gegeben wird.

Der dritte und letzte Teil des internationalen Projekts „Die Geschichte beginnt in der Familie“ für Jugendliche aus Polen, Deutschland und der Ukraine fand vom 19. bis 25. März 2016 in der Ukraine statt. Das Projekt implementieren gemeinsam die Organisation „Grundlagen der Freiheit“ (Foundations for Freedom, INGO), die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz (Polen), die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen (Deutschland) in Zusammenarbeit mit der Friedrich Ebert Stiftung.
Das Projekt wurde finanziert durch: Deutsch-Polnisches Jugendwerk, Friedrich Ebert Stiftung mit den Standorten in Polen, Belarus und in der Ukraine, Stiftung für Polnisch-Ukrainische Zusammenarbeit (PAUCI).

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Zur Verfügung unserer Gäste stehen drei großzügig angelegte Wohnpavillons mit 100 Übernachtungsplätzen in Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfbettzimmern.

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