MENSCHENRECHTE GESTERN

– MENSCHENRECHTE HEUTE

1. Teil
FLUCH UND ASYL -AUF DER SUCHE NACH EINEM SICHEREN ORT
DEUTSCH-POLNISCHE JUGENDBEGEGNUNG

Seit mehr als drei Jahren sorgen die kriegerischen Konflikte in Syrien, Irak, Eritrea und anderen Orten auf der Welt für ein Ansteigen der Flüchtlingsbewegungen. Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht aus Angst vor willkürlicher Gewalt, Zerstörung, Vertreibung, Armut und unberechenbaren Machthabern. In Europa kommt nur ein Bruchteil der Flüchtlinge an und dennoch sorgen die Tausende von Menschen, die nach Europa kommen möchten für gesellschaftliche Debatten. Das Recht auf Asyl ist ein Menschenrecht. Seine Gewährleistung ist auch die Aufgabe Deutschlands und Polens. In beiden Seminaren möchten wir uns intensiv mit der aktuellen und der historischen Flüchtlingssituation auseinandersetzen und der Frage nachgehen, welche Bedeutung das Recht auf Asyl heute wie damals für den Schutz und die Sicherheit der Flüchtlinge hat und welche Herausforderungen mit der Integration von Menschen aus verschiedenen (politischen) Kulturen der Welt verbunden sind.

In Bad Liebenzell beschäftigen wir uns inhaltlich vor allem mit den Fragen: welche Gründe haben Menschen ihre Heimat zu verlassen, wie leben Flüchtlinge in Deutschland und Polen, welche Rechte haben sie und welche Zukunftsperspektiven können sie in den beiden Ländern entwickeln. Wie sieht es mit der Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung in beiden Ländern aus? Wie engagieren sich die Menschen vor Ort für Flüchtlinge, um sie in die neue Heimat zu integrieren? Welche Herausforderungen sind zu bewältigen?

In Oświęcim (Auschwitz) beschäftigen wir uns mit dem Prozess der Vertreibungen und Zwangsaussiedlungen der jüdischen Bevölkerung aus allen Teilen Europas und den Vertreibungen Einwohner_innen der Stadt Oświęcim (Auschwitz) und dem damaligen Osten Polens, die mit der Einrichtung und dem Ausbau des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und dem 2. Weltkrieg verbunden waren, auseinandersetzen.

Gespräche mit Expert_innen und Zeitzeug_innen, Besuch des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, der Besuch des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, sowie andere aktuell interessante sowie politisch-historisch reizvolle Orte wie Stuttgart und Krakau zählen auch dazu.

Termin:
03.04.-09. 04. 2016, Internationales Forum Burg Liebenzell in Bad Liebenzell
Organisation:
IJBS Oświęcim/Auschwitz, Internationales Forum Burg Liebenzell in Bad Liebenzell

2. Teil
FLUCH UND VERTREIBUNG IM II WELTKRIEG
DEUTSCH-POLNISCH-UKRAINISCHE JUGENDBEGEGNUNG

Termin:
06.11.-10.11.2016, IJBS Oświęcim/Auschwitz
Organisation:
IJBS Oświęcim/Auschwitz, Internationales Forum Burg Liebenzell in Bad Liebenzell, Zentrum für Polnische Kultur und den Europäischen Dialog in Iwano-Frankiwsk
Info:
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„Flüchtlinge – haben sie Recht auf Asyl in Europa?”

Mit diesem aktuellen und wichtigen Thema setzten sich im April auf der Burg Liebenzell die Teilnehmer_Innen des deutsch-polnischen Jugendaustauschs auseinander.

Das Projekt, dessen Leitthema lautet „Menschenrechte gestern und heute“, wird in der langjährigen Zusammenarbeit von der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim und dem Internationalen Forum Burg Liebenzell veranstaltet.

Seit über 3 Jahren sind die Kriege in Syrien, dem Irak, der Ukraine und anderen Plätzen in der Welt die Ursache für den Zuwachs der Flüchtlingszahlen aus diesen Gebieten. Millionen von Menschen weltweit werden gezwungen, ihr Zuhause wegen der Angst vor Gewalt, Verwüstung, Vertreibungen, Armut und Machtbegier zu verlassen. Nach Europa gelangen nur wenige von denen, trotzdem wurden Tausende der nach Europa kommenden Geflüchteten zum Thema einer öffentlichen Debatte und Ursache von einem politischen Konflikt in Europa.

Das Ziel des Seminars war eine gemeinsame Analyse der Flüchtlingssituation in Europa – vorwiegend in Polen und Deutschland – aber auch die Sensibilisierung der Jugendlichen für die Schicksale der Flüchtlinge. Die Teilnehmer_Innen versuchten eine Antwort auf folgende Frage zu finden: welche Bedeutung für den Schutz und die Sicherheit der Flüchtlinge hatte das Recht auf Asyl in der Vergangenheit und welche Rolle spielt es heute? Das Recht auf Asyl ist nämlich eins der Menschenrechte und die Beachtung dessen ist eine Pflicht Deutschlands und Polens.

Am Anfang des Projekts bekam jede/-r der Teilnehmenden eine Aufgabe, die Wurzeln der eigenen Familie zur Generation der Großeltern zu analysieren. Zur allgemeinen Überraschung zeigte sich, dass die Vorfahren von vielen TeilnehmerInnen Migranten waren. Nur einige konnten beweisen, dass sie, ihre Eltern und Großeltern an ein und dem selben Ort lebten. Diese Tatsache veränderte ein bisschen die Denkperspektive über die heutigen Einwanderer.

Dann wurden die Ursachen für das Verlassen der Heimat, die Bedingungen während der Flucht und die schwierige Situation am Zielort unter die Lupe genommen. Wertvolle Informationen wurden den Teilnehmenden von zwei Flüchtlingen aus Syrien: Hannadi und Mohmoud geliefert, die seit vielen Monaten in Bad Liebenzell auf den Beschluss der deutschen Behörden bezüglich des Asylverfahrens warten. Sie erzählten vom Krieg in Syrien, den Verfolgungen wegen der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder wegen der politischen Überzeugung, sie sagten auch wie schwer es ihnen fiel, die Familie zu verlassen und ins Blaue zu fahren. Sie teilten den Jugendlichen auch persönliche Erlebnisse mit, wie z.B. der schwierige Alltag im Aufnahmezentrum, da Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen kommen. Was wünschen sie sich jetzt? Ein normales Leben. Ich möchte ein Studium abschliesen und eine Arbeitsstelle finden. – sagte Hannadi. Die derzeitigen Tatenlosigkeit und Unsicherheit sind schrecklich.

Für Mahmoud sei es dagegen am wichtigsten, selbständig zu werden und seine Frau mit dem Sohn nach Deutschland zu holen, da er sich sehr nach ihnen sehne. Langfristig möchte er in den Niederlanden wohnen, weil dort sein Bruder wohnt, aber es ist aus formellen Gründen nicht möglich. Ich will nicht auf Kosten der anderen Leute leben, aber bisher habe ich kein Arbeitserlaubnis. Ich möchte Deutsch beherrschen und von Anderen als normaler Mensch betrachtet werden. Von großer Bedeutung ist für mich die Integration, Menschen kennen zu lernen, und mit ihnen Zeit zu verbringen. Deswegen freue ich mich, hier mit euch sein zu können. Hannadi und Mahmoud begleiteten die Gruppe zwei Seminartage lang. Die beiden können fließend Englisch, dadurch konnten sie sich mit den Jugendlichen unterhalten.

Während des einwöchigen Seminars in Deutschland versuchten die jungen Deutschen und Polen zu analysieren, inwieweit die deutsche und polnische Gesellschaft zur Aufnahme der Flüchtlinge (un)bereit ist? Wie engagieren sich die ansässigen Bewohner in den Integrationsprozess? Welche Herausforderungen sind zu bewältigen?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, analysierten die TeilnehmerInnen zuerst die Presseausschnitte, dann führten sie eine Umfrage auf den Straßen von Bad Liebenzell und Stuttgart durch. Leider wollten sich die meisten der Befragten zum Thema Flüchtlinge nicht äußern. Nur wenige boten Hilfe an, weil „man das so einfach machen muss“. Einige ältere Personen, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten, äußerten sich auch positiv zur Notwendigkeit, den Flüchtlingen Hilfe zu leisten. Eine ältere Dame sagte: Als meine Mutter und ich 1944 flohen, gewährten uns gute Leute Unterkunft und gaben uns etwas zum Essen. Ich fühle mich jetzt verpflichtet, mich für die Güte dankbar zu zeigen, deswegen engagiere ich mich, soviel ich kann,in den Deutschunterricht für Flüchtlinge aus Syrien. - Leider ergibt sich aus vielen Äußerungen, Presseartikeln und Fernsehberichten, dass die polnische und deutsche Gesellschaften sehr fremdenfeindlich sind. Leute sind darüber hinaus fest davon überzeugt, dass die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Das stimmt aber nicht. Deutschland wurde sogar unter den „TOP 10“ nicht platziert. Die meisten Flüchtlinge wurden von folgenden Ländern aufgenommen: der Türkei, Ägypten, dem Irak, Jordanien und dem Libanon.

Es wurde auch über die Herausforderungen diskutiert, Leute aus verschiedenen Kulturkreisen und mit unterschiedlicher politischer Überzeugung zu integrieren. Die Meinung der Teilnehmer wurde am letzten Seminartag in einer Theateraufführung dargestellt, zu der die Mitarbeiter und Gremiummitglieder vom Internationalen Forum Burg Liebenzell, lokale Pressevertreter, aber auch Hannadi und Mahmoud eingeladen wurden. Die Botschaft der Jugendlichen war ein Appell an alle Leute: „You can also do something!“ („Du kannst auch etwas machen!“).

Das nächste Treffen findet im November in Oswiecim statt. Dann werden wir die Flüchtlingsfrage aus der Perspektive der Ausgesiedelten und Deportierten im Zweiten Weltkrieg betrachten.

Das Projekt wurde vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) gefördert.

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„FLUCHT UND VERTREIBUNG IM II. WELTKRIEG VERSUS FLUCHT UND ASYLSUCHE HEUTE.”

DEUTSCH-POLNISCHE JUGENDBEGEGNUNG

Im November fand in der IJBS die zweite Begegnung des deutsch-polnischen Jugendseminars zum Thema „Menschenrechte gestern- Menschenrechte heute“ statt. Nachdem sich die Gruppe bereits im Frühjahr bei einem mehrtägigen Seminar in Bad Liebenzell kennen gelernt und sich mit aktuellen Themen wie der Flüchtlingskrise in Europa, besonders in Polen und Deutschland, beschäftigt hatte, standen nun bei der zweiten Begegnung Menschenrechteverletzung und Zwangsmigration im 2. Weltkrieg im Vordergrund. Ziel des Seminares war es, diese Themen nicht nur besser zu verstehen, sondern auch von den verschiedenen Länderperspektiven zu betrachten.

Die Jugendlichen hatten fünf Tage Zeit um sich gemeinsam über Flucht, Vertreibung und Deportationen in den Jahren 1939 bis 1945 zu informieren und gemeinsam, in deutsch-polnisch gemischten Arbeitsgruppen, eine multimediale Präsentation zu erstellen.

Zur inhaltlichen Vorbereitung der Präsentation gehörte außer einem Besuch in dem Museum Auschwitz-Birkenau und einem wissenschaftlichen Vortrag von Dr. Jacek Lachendro über die Deportationen in Oswiecim und Umgebung, auch ein Ausflug nach Krakau, inklusive einer Führung auf dem Gelände des ehemaligen Gettos und des Schindlermuseums, sowie ein Besuch im jüdischen Zentrum Oswiecims. Das Highlight für die Jugendlichen war die Teilnahme an der Krokus- Aktion, zum Gedenken an alle Kinder die dem Holocaust und anderen Naziverbrechen während des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fielen, dem ein sehr spannendes Zeitzeugengespräch mit der Auschwitz-Überlebenden Frau Lidia Skibicka -Maksymowicz vorausging.

Nach einer langen Arbeitsphase, intensiven Gespräche und Diskussionen gelang es den Jugendlichen (mithilfe der Graphikerin Barbara Daczynska) eine ausführliche, informative und zweisprachige Präsentation zu gestalten, die sowohl die verschiedenen Beweggründe für Migration, die unterschiedlichen Formen der (Zwangs)Migration, als auch die Integration an den neuen Wohnorten beinhaltete. Dabei stellten die Jugendlichen fest, dass ihre flüchtenden Vorfahren viel Hilfe erfahren haben und oft freundlich aufgenommen wurden. Sie kamen dadurch zum Schluss, dass man heute offener und freundlicher mit den Flüchtlingen umgehen und die Hilfe zurückgeben sollte, die Deutsche und Polen nach und während des Zweiten Weltkriegs erfahren haben.

Natürlich kam auch der Freizeitteil des Seminares nicht zu kurz: Filmabende, gemütliche Gesprächsrunden und ein sehr lustiger Abschiedsabend schweißte die beiden Gruppen noch mehr zusammen und machte den Abschied schlussendlich doch sehr schwer. Tröstlich war aber, dass alle sehr schöne Erinnerung und spannende neue Erfahrungen mit nach Hause nehmen konnten und dass es, dank den sozialen Medien auch möglich sein wird, Kontakt mit den neugewonnen Freunden zu halten.

Das Seminar wurde durchgeführt dank der finanziellen Unterstützung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks im Rahmen des Projekts „Wege zur Erinnerung”.

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