KUNST UND AUSCHWITZ

DEUTSCH-POLNISCH-TSCHECHISCHES SEMINAR FÜR JUGENDLICHE
Termin:
20.11.-26.11.2016, IJBS Oświęcim/Auschwitz
Organisation:
IJBS Oświęcim/Auschwitz, Stiftung Brama Cukermana in Będzin, Institut Theresienstädter Initiative in Prag
Info:
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„Kunst und Auschwitz“

Deutsch-polnisch-tschechisches Seminar für Jugendliche in der IJBS Oświęcim/Auschwitz
Um eine Weile Glück zu erringen, vor allem um zu vergessen, zeichnete ich mit Bleistift und zeichne weiter in den Lagern Porträts, weil ich keine anderen Mittel habe. Diese im Verborgenen gemachten Porträts ließen mich vergessen, führten mich in eine andere Welt, in meine Welt der Kunst. Dass Zeichnen mit dem Tod bestraft wurde, nahm ich einfach nicht zur Kenntnis, nicht weil ich mutig war, sondern weil ich die Gefahr nicht beachtete, so anziehend war es zu schaffen in der eigenen Welt… Der Verlust meiner Arbeiten erfüllte mich jedes Mal mit tiefer Trauer und nur unter Anspornung der ganzen Willenskraft und Selbstüberwindung begann ich mit der Arbeit von vorn.*

Franciszek Jaźwiecki

Viele der Kunstwerke haben den 2. Weltkrieg überlebt, da sie auf verschiedene Weise gerettet werden konnten. Sie gewähren uns heute einen besonderen Einblick in die Realität von Auschwitz, gesehen und wahrgenommen von Häftlings-Künstlern. Unser Seminar „Kunst und Auschwitz“ sollte die Jugendlichen, die aus Prag, Stuttgart und Katowice in die IJBS Oświęcim/Auschwitz kamen, ermutigen, über Kunst als eine spezifische Kommunikationsform zu reflektieren, Raum zur individuellen Interpretation der künstlerischen Zeugnisse aus Auschwitz bieten, sowie zur Entwicklung der Fähigkeit der kritischen Analyse der Kunstwerke und ihrer Symbolik vor dem Hintergrund des historischen Kontextes und auch die Lebensschicksale ihrer Autor_innen näherbringen.

Zu Beginn des Seminars lenkten wir die Aufmerksamkeit der Teilnehmer_Innen auf die Biographie und das künstlerische Schaffen der tschechisch-jüdischen Überlebenden Helga Hošková-Weissová, mit der sich die Jugendlichen aus Prag im Rahmen der Seminarvorbereitung persönlich getroffen hatten.

Helga Hošková-Weissová ist 1929 in Prag geboren. Ihr Vater Otto arbeitete in der Prager Staatsbank, ihre Mutter war Schneiderin. Als achtjähriges Mädchen begann Helga im Jahre 1938 ihr Tagebuch zu schreiben. Im Dezember 1941 wurden sie und ihre Eltern in das Ghetto in Theresienstadt deportiert. «Zeichne, was du siehst» - sagte ihr der Vater, als sie in die Männerbaracke eine Zeichnung geschmuggelt hatte. Das Bild zeigte Kinder die einen Schneemann gebaut hatten. Sie zeichnete mehr als einhundert Bilder, die das tägliche Leben im Lager darstellten. Nach drei Jahren wurde die Familie nach Auschwitz deportiert. Das Tagebuch überlebte dank ihrem Onkel, der es in einer Wand versteckte. Helgas Vater starb in Auschwitz-Birkenau, doch dem Mädchen und ihrer Mutter gelang es, das Lager zu überleben. Sie kehrten nach Prag zurück, wo Helga im Alter von sechzehn Jahren ihr Tagebuch um die Erinnerungen aus der Kriegs- und Vernichtungszeit ergänzte. Von fünfzehntausend Kindern die ins Lager Theresienstadt und dann nach Auschwitz deportiert wurden haben nur ca. einhundert überlebt. Helga war eine der Glücklichen.

Im Seminar diskutierten die Jugendlichen über die familiäre und öffentliche Erinnerungskultur zu Auschwitz und dem Holocaust in ihren Ländern, nahmen an Führungen in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau unter Leitung der Museums-Guides sowie in der Stadt Oświęcim teil. Besonders interessant fanden sie den von der IJBS angebotenen Workshop zu künstlerischen Zeugnissen aus Auschwitz und den Besuch in der Kunstsammlung der Gedenkstätte Auschwitz, wo sie unter Leitung von Frau Agnieszka Sieradzka die Originale betrachten konnten.

Zudem zeigten wir den Jugendlichen die einzigartige Ausstellung „Labyrinth of Memory” von Marian Kołodziej im Kloster Harmęże. Zum Abschluss diskutieren wir noch mit Frau Olga Danek, der Mitarbeiterin von der Stiftung MIFGASH aus Krakau darüber, warum heutzutage die Symbolik von Auschwitz und dem Holocaust immer stärker in die moderne Kunst und Pop-Kultur eindringt und nicht selten provokativ instrumentalisiert wird.

Nach dem Ausflug nach Krakau mit Führung in der Altstadt und im jüdischen Viertel folgte der deutsch-polnisch-tschechische Abschiedsabend. Die neu geknüpften Freudschaften werden bestimmt in Zukunft fortgesetzt und das Leitungsteam denkt schon an die nächste Auflage des Projektes!

Das Seminar wurde in Zusammenarbeit mit Institut Terezínské iniciativy in Prag und Nachwuchskräfte für Europa NfE e. V in Ostfildern organisiert und aus den Mitteln des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) im Rahmen des Förderprogramms „Wege zur Erinnerung” finanziert.

Seminarkoordination: Elżbieta Pasternak
Mitarbeit: Janina Schnurr, Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

*Zitat aus: Kunst in Auschwitz 1940-1945, Hrsg. von der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum und vom Museumspädagogischen Dienst Berlin, Rasch Verlag, 2005

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Zur Verfügung unserer Gäste stehen drei großzügig angelegte Wohnpavillons mit 100 Übernachtungsplätzen in Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfbettzimmern.

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