WEGE ZUR ERINNERUNG

MENSCHENRECHTE GESTERN – MENSCHENRECHTE HEUTE.
DEUTSCH-POLNISCHER JUGENDAUSTAUSCH

Für den diesjährigen Austausch haben wir, die Internationale Begegnungsstätte Oświęcim (MDSM) und das Internationale Forum Burg Liebenzell (IFBL), den Fokus auf Kinder- und Jugendrechte gelegt: Kinder und Jugendliche sind besonders verletzlich, sie brauchen den Schutz der Eltern, Schule und der gesamten Gesellschaft. Was ist, wenn Kinder nicht in die Schule dürfen? Was ist, wenn Kinder nicht ausreichend zu essen bekommen? Was ist, wenn Kinder gemobbt und misshandelt werden? Wer ist verantwortlich für ihren Schutz?

Die Kinderrechtskonvention von 1989 nennt die Rechte, die Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben müssen, um ein menschenwürdiges und erfülltes Leben zu führen. Fast alle Staaten der Welt haben die Kinderrechtskonvention anerkannt. Dennoch leben an vielen Orten der Welt Kinder in Armut und Gewalt. Wie die Rechte von Kindern und Jugendlichen gestern und heute beachtet oder missachtet werden, soll uns in den beiden Begegnungen beschäftigen.

Im ersten Teil der Begegnung vom 19.3. - 25.3. 2017 beschäftigen wir uns mit der NS-Vergangenheit, mit besonderem Fokus auf das Überleben von Kindern in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau. Unter der professionellen Anleitung eines Dokumentarfilmers, könnt ihr eure Ideen und Gedanken zu einem eigenen Film verarbeiten. Zudem werdet ihr eine Zeitzeugin kennen lernen und ihre Überlebensgeschichte erfahren, wie sie als Kind Auschwitz überlebt hat.

Im zweiten Teil im Internationalen Forum in Bad Liebenzell vom 20.9. - 25.9. 2017 werden wir uns intensiv mit dem Thema 'Jugendrechte und jugendgerechtes Leben heute' beschäftigen. Wie ticken Jugendliche - also ihr :) - heute? Wie könnt ihr euren Alltag aktiv und eure Zukunft mitgestalten? Was gilt als cool oder uncool? Wie sieht Jung sein in anderen Ländern der Welt aus? Vor welchen Herausforderungen stehen Jugendliche in anderen Ländern, damit ihre Rechte auf Bildung, Freizeit, Nahrung … gewährleistet sind?

Über den Austausch und die inhaltlichen Workshops lernt sich die Gruppe noch intensiver kennen und entwickelt mit Hilfe einer professionellen Theaterpädagogin eigene Theaterszenen, die eure Sicht der Welt und eure Interessen zum Thema zum Ausdruck bringen.

Termin:
Teil 1.: 20.-25.03.2017 Oświęcim/Auschwitz
Kinder von Auschwitz – Man darf sie nicht vergessen. Filmworkshop.

Teil 2.: 20.-24.09.2017 Internationales Forum Burg Liebenzell in Bad Liebenzell
Kinder- und Jugendrechte heute. Theaterworkshop.
Organisation:
IJBS Oświęcim/Auschwitz, Internationales Forum Burg Liebenzell in Bad Liebenzell
Info:
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Seminar „Menschenrechte gestern - Menschenrechte heute”

Zum 15. Jahrestag der Zusammenarbeit zwischen der Internationalen Jugendbegegnungsstätte und dem Internationalen Forum Burg Liebenzell in Bad Liebenzell (Deutschland) fand in Oświęcim erneut ein Treffen polnischer und deutscher Jugendlicher statt. Im Mittelpunkt des diesjährigen Projektes „Menschenrechte gestern - Menschenrechte heute” stand das Schicksal der Kinder und Jugendlichen während des 2. Weltkrieges. Die Idee, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, entstand bei der deutsch-polnischer Begegnung im November 2016 nach dem Zeitzeugengespräch mit Lidia Maksymowicz, die als Kind Auschwitzhäftling war und überlebt hat.

Das sechstägige Seminar begann mit der Analyse der wichtigsten Ereignisse im Zusammenhang mit der Entwicklung des Nationalsozialismus und der Politik des Dritten Reiches in den besetzten Gebieten. Während des historischen Spazierganges durch Oświęcim, verbunden mit dem Besuch im Jüdischen Museum, lernten die Teilnehmer_innen das Leben der Einwohner von Oświęcim (Auschwitz), insbesondere der jüdischen Kinder, in der Vorkriegszeit kennen. Sie erfuhren von dem Schicksal der Familie Haberfeld und von der glücklichen Kindheit von Henryk Schönker in Oświęcim (Auschwitz).

Während des Besuchs in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und der Workshops in den Länderausstellungen und in der Schindlers Fabrik in Krakau vertieften die Jugendlichen aus Polen und Deutschland ihr Wissen über die Vernichtung der Juden, die Lebensbedingungen im Ghetto und die Massenverbrechen im Konzentrations- und Vernichtungslager. Sie verglichen die Kriegsschicksale der jüdischen Kinder verschiedener Nationalitäten, der polnischen und der deutschen Kinder. Sie betrachteten ihr damaliges Leben aus der Perspektive der Genfer Erklärung aus dem Jahr 1924, wo in fünf Punkten die Rechte der Kinder auf normale körperliche und geistige Entwicklung festgelegt wurden:

  • Artikel 1 Das Kind soll in der Lage sein, sich sowohl in materieller wie in geistiger Hinsicht in natürlicher Weise zu entwickeln.
  • Artikel 2 Das hungernde Kind soll genährt werden; das kranke Kind soll gepflegt werden; das zurückgebliebene Kind soll ermuntert werden; das verirrte Kind soll auf den guten Weg geführt werden; das verwaiste und verlassene Kind soll aufgenommen und unterstützt werden.
  • Artikel 3 Dem Kind soll in Zeiten der Not zuerst Hilfe zuteil werden.
  • Artikel 4 Das Kind soll in die Lage versetzt werden, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und soll gegen jede Ausbeutung geschützt werden.
  • Artikel 5 Das Kind soll in dem Gedanken erzogen werden, seine besten Kräfte in den Dienst seiner Mitmenschen zu stellen

Unter der deutschen Besatzung konnten sich die polnischen Kinder und Jugendlichen nur in einer begrenzten Weise entwickeln. Den jüdischen Kinder und Jugendlichen wurden alle Rechte weggenommen.

Von den Nachkriegsschicksalen der Überlebenden erzählte den Seminarteilnehmer_innen Alwin Meyer, der Autor des Buches „Vergiss deinen Namen nicht - Die Kinder von Auschwitz”. Viele von ihnen blieben ganz alleine auf der Welt und können sich bis heute von den traumatischen Erlebnissen nicht befreien. Ihnen wurden ihre Kindheit, Glück und Liebe geraubt. Sie verloren ihre Familie, ihre Freunde, Liebliengsorte und –gegenstände. Einigen gelang es viele Jahre nach dem 2. Weltkrieg ihre Familienmitglieder wieder zu finden, aber sie konnten keine näheren Beziehungen mehr schließen. Die wurden für immer zerstört.

Die Projektteilnehmer_innen brachten ihre Emotionen und Überlegungen durch die Bildfenster des während des gesamten Seminars gedrehten Films zum Ausdruck. Der durch sie erstellte Film „Kinder von Auschwitz – man darf sie nicht vergessen“ zeigt, wie tief sie durch die Verletzung der grundlegenden Menschenrechte, wie Freiheit, Recht auf Leben, auf körperliche, emotionale und geistige Entwicklung, bewegt wurden. Ein Ausdruck der tiefen Überlegungen und vielen Emotionen, die durch die einzelnen Programmpunkte hervorgerufen wurden, sind auch die Musik für den Film, die während des Seminars durch den deutschen Teilnehmer Finn Scheuble, komponiert wurde, und die Zeichnung von Weronika Olejarz.

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Das Seminar wurde aus den Mitteln des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes (DPJW) im Rahmen des Projektes „Wege der Erinnerung“ und dank der Unterstützung der Stiftung zum Gedenken an die Opfer des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau finanziert.
Koordination: O. Onyszkiewicz.

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