Zurück in die Zukunft

– gemeinsame Erinnerung gestalten
POLNISCH-UKRAINISCHES PROJEKT FÜR STUDENT_INNEN
Termin:
12.-17.10.2017.2017, IJBS Oświęcim/Auschwitz
Organisation:
IJBS Oświęcim/ Auschwitz, Institut für Europäistik der Jagiellonen Universität, Staatliche Technische Universität in Kirovohrad/ Kropivnitski, Ukraine
Info:
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„Zurück in die Zukunft – gemeinsame Erinnerung gestalten”
POLNISCH-UKRAINISCHES PROJEKT FÜR STUDENT_INNEN

An diesem grauen, kalten Tag kehren wir mit unseren Gedanken in den Oktober zurück, als die Studenten aus Polen und der Ukraine an dem bilateralen Projekt „Zurück in die Zukunft – gemeinsame Erinnerung gestalten“ teilnahmen. Das Thema des Projekts war die kollektive Erinnerung über die tragischen Ereignisse aus der polnisch-ukrainischen Vergangenheit sowie der Einfluss dieser Erinnerung auf die gegenseitige Wahrnehmung der Polen und der Ukrainern. Unser Ziel war es, eine offene Diskussion über die existierenden Stereotypen sowie auf beiden Seiten der Grenze funktionierenden Narrative über das Massaker in Wolhynien 1943 zu schaffen. Was daraus entstand? Lesen Sie weiter.

Zur Vorbereitung führten die Teilnehmer*innen eine Umfrage in ihren Städten durch, um dem Kenntnisniveau sowie der Wahrnehmung der heutigen bilateralen Beziehungen nachzugehen. Die Resultate der Befragung stellten sich als ein interessanter Ausgangspunkt zur Diskussion über das Funktionieren der kollektiven Erinnerung im Alltag heraus.

Die Projektarbeit fingen wir am 12. Oktober in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim an. Am ersten Tag lernten sich die Teilnehmer*innen kennen und besprachen ihre Erwartungen und Befürchtungen der Begegnung. Die Erwartung, die am häufigsten erwähnt wurde, war eine freundliche Beziehungen aufzubauen und eine gute Atmosphäre in der Gruppe zu schaffen sowie die Kenntnisse über den polnisch-ukrainischen Konflikt in den Jahren 1943-1945 zu vertiefen. Was die Befürchtungen angeht, am häufigsten wurden Missverständnisse und inhaltliche Konflikte erwähnt.

Anschließend ging die Gruppe auf einen geführten Spaziergang durch die Stadt Oświęcim, während dessen sie mehr über die Geschichte der Stadt vom Mittelalter bis heute erfuhren. Besonders interessant für die Studenten war die Zeit der Besatzung 1939-1945 sowie das Funktionieren der Stadt „im Schatten von Auschwitz“. Nach dem Stadtrundgang erklärte Dr. Kinga Anna Gajda aus dem Institut für Europäischen Studien der Jagiellonen-Universität, was die kollektive Erinnerung ist, wie sie gestaltet wird und in der Gesellschaft funktioniert. Danach besprachen die Student*innen die Entstehung des Konzentration- und Vernichtungslager Auschwitz im breiteren historischen Kontext und bereiteten sich auf diese Weise auf den Besuch der Gedenkstätte vor.

Innerhalb der nächsten Tage besuchten die Teilnehmer*innen die Gedenkstätte im Rahmen der erweiterten Führung und hatten die Möglichkeit, ihre Emotionen, Eindrücke und Reflexionen, die aus der Auseinandersetzung mit dem Thema sowie mit dem Ort Auschwitz entstanden waren, zu besprechen. Eine wichtige Ergänzung zur Diskussion stellte der Vortrag von Dr. Alicja Bartuś über die Definition von ‚Genozid‘, die durch den Rechtsanwalt Raphael Lemkin geprägt wurde, sowie andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.

In dem zweiten Teil des Seminars gingen wir von der Erinnerung an Auschwitz und den Holocaust aus zur Erinnerung an den Massaker in Wolhynien 1943. Zuerst, durch die Arbeit mit Dokumenten sowie Forschungsergebnisses von ukrainischen und polnischen Historikern im Rahmen der thematischen Workshops, ergänzten die Teilnehmer*innen ihr Wissen über die Ereignisse auf dem Gebiet Wolhynien in der Zeit des Zweiten Weltkrieges im breiteren historischen Kontext. Anschließend schauten die Student*innen auf den historischen Ereignissen durch die Augen der Zeitzeugen. Besonders interessant waren für die Teilnehmer*innen nicht nur die Erzählungen über die tragischen Erlebnisse, sondern auch über die Verarbeitung der traumatischen Erfahrungen.

Das nachfolgende Element der Diskussion über den Massaker in Wolhynien war der Vortrag von Marek Wojnar aus dem Institut für politischen Studien der Polnischen Akademie der Wissenschaften über die polnischen und ukrainischen Erinnerungspolitik. Aus dem Vortrag konnten die Student*innen mehr über die offizielle Politik auf den beiden Seiten der Grenze sowie ihre Wirkung auf die bilateralen Beziehungen erfahren.

Die anschließenden Programmpunkte fanden im Institut für Europäischen Studien der Jagiellonen-Universität in Krakau statt. Im Rahmen der Debatte „Ist es besser uns zu erinnern oder zu vergessen?“ sammelten die Student*innen Argumente für und gegen die negativen Erinnerung in bilateralen Beziehungen. Innerhalb des Journalistik-Workshops, der durch Zbigniew Rokita aus der Zeitschrift „New Eastern Europe“ durchgeführt wurden, beschrieben die Teilnehmer*innen aus Polen und der Ukraine ihre Reflexionen über das Projekt in Artikeln, aus denen in der kurzer Zeit eine polnisch-ukrainische Zeitschrift entstehen soll. Diese Zeitschrift wird man in digitaler Form von auf den Web-Seiten der IJBS sowie des Instituts für Europäischen Studien herunterladen können.

Natürlich gab es auch Zeit für Spaziergänge durch Krakau am Abend sowie gemeinsame Freizeit-Aktivitäten. Während der Auswertung des Projekts betonten die Studentinnen aus Polen und der Ukraine , dass sie sich sehr über die Begegnung und die neuen Freundschaften freuen und hoffen, dass es eine Fortsetzung in der Ukraine geben wird.

Die Realisierung des Projekts war möglich dank der Unterstützung der Stiftung „Memorial Foundation for the Victims of Auschwitz-Birkenau„ sowie des Fördervereins für die IJBS.

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Nataliia Tkachenko, IJBS

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