DIE GESCHICHTE

BEGINNT IN DER FAMILIE…
DEUTSCH-POLNISCH-UKRAINISCHES SEMINAR FÜR JUGENDLICHE
Termin:
3. Teil: 18.03.-24.03.2018, Oldau/Deutschland
Organisation:
IJBS Oświęcim/Auschwitz, Mizhnarodna Gromadska Organizatsiia „Osnovy Svobody”/Ukraine, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen/Deutschland
Koordination:
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Die Geschichte beginnt in der Familie... – Oldau, 18-24.03.2018

Der dritte Teil des Projektes fand in Oldau zwischen dem 18. und dem 24. März statt. Zum dritten Mal trafen sich die Teilnehmer*innen aus Polen, Deutschland und der Ukraine, um die eigenen Familiengeschichten miteinander zu teilen und mehr über Deutschland während des Krieges zu erfahren.

Konzentrationslager

Wir haben in Oldau gewohnt, in der Nähe des Lagers Bergen-Belsen, und die zwei ersten Tage haben wir dem Kennenlernen der Geschichte von Bergen-Belsen gewidmet. Bergen-Belsen war eines der größten Lager. Gefangen wurden dort sowohl sowjetische Kriegsgefangene, politische Häftlinge (darunter auch die Soldaten der Polnischen Heimatarmee aus dem Warschauer Aufstand) als auch vorübergehend Juden, die zum Austausch vorgesehen waren. Gegen Ende des Krieges, wurde das Lager zum Zentrum der Transporte aus anderen Lagern, die von den Alliierten bald befreit werden sollten. Nach der Befreiung durch die Britische Armee wurde die Bebauung abgebrannt, und auf Anlass der Gedenkstätte wurde entschieden, auch nichts davon wiederaufzubauen. Später entstand das Museum. Wir haben dem Rundgang auf dem Lagergelände, der Besichtigung des Museums und den Workshops zur Interviewführung viel Zeit gewidmet. Wir konnten die komplexe Geschichte des Lagers, der Häftlinge, der Aufseher und der lokalen Bevölkerung kennenlernen.

Interviews

Oral history war das Leitmotiv dieses Projektteiles. Im Gegensatz zu Auschwitz sind in Bergen-Belsen viele Archivmaterialien erhalten geblieben, während jedoch persönliche Zeugnisse die Schlüsselquelle des Wissens über das Lager waren. Das Gesamtkonzept des Museums auf dem Lagergelände stützt sich auf das Narrativ, das im Einverständnis mit den Geschichten der Zeugen bleibt. Während unseres Aufenthaltes war auch ein Treffen mit einem Mitglied der Britischen Armee eingeplant, der bei der Lagerbefreiung anwesend war und mit uns seine Erlebnisse teilte. Das Treffen verlief in der Form eines Interviews, die Fragen durften die Teilnehmer*innen stellen. Außer den Teilnehmer*innen unseres Projektes waren beim Treffen auch Jugendliche eines anderen Projektes, die aus mehreren Ländern, u.a. aus Russland, der Ukraine und Holland stammten. Bei dem Treffen berührten wir u.a. das schwierige Thema der Einstellung der zivilen Bevölkerung zu der Vernichtung der Juden, ihre Teilnahme und ihr Bewusstsein über diese Ereignisse. Weiter haben wir die von den Teilnehmer*innen vorbereiteten Interviews fertig bearbeitet.

Das Leitungsteam half bei der Redaktion der Filme, der Fertigstellung der Untertitel und der Positionierung des Materials auf der Projekthomepage. Wir sahen uns die letzten Präsentationen der Teilnehmer*innen an, auf diese Weise konnten wir mit eigenen Augen erfahren, wie komplex die Geschichte ist. In den Familiengeschichten erschienen die Deutschen, Sowjets, Partisanen und die Einheimischen, immer in einem anderen Lichte. Am stärksten berührte mich die Geschichte der Ukrainerinnen, die Zwangsarbeit in der deutschen Fabrik der Flugzeugteile leisten mussten. Die Mädchen hatten lange Haare und schnitten kleine Strähnchen ab, um an die Windräder der Flugzeuge zu binden. Dadurch konnten die Flugzeuge nicht starten. Die Deutschen konnten sich lange Zeit nicht orientieren, woran dies lag. Als sie dabei erwischt wurden, schaffte es einer der deutschen Aufseher, sie zu verstecken und nach Mitteleuropa zu verlegen. In den Interviews konnte man wie unter der Lupe den menschlichen Aspekt sehen: letztendlich war es am wichtigsten, in diesen unmenschlichen Zeiten ein Mensch zu bleiben. Wesentlich war auch der Aspekt, dass wir bei den Zeitzeugen keinen Hass wahrnahmen, der oft die heutigen Nationalisten prägt. Im Gegenteil, es waren Geschichten über das Leben, oft mit Humor und vielen guten Erinnerungen erzählt. Die Interviews erlaubten mir, die verschiedenen Aspekte der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte kennenzulernen, über die ich keine Ahnung hatte. Der Krieg ist nicht nur die Geschichte – es ist leider für die Ukrainer auch die Gegenwart. Manche Teilnehmer*innen stammten aus Donetsk und aus der Krim, oder waren bei den Protesten auf dem Majdan anwesend. Ich kann wohl die Feststellung riskieren, dass die Geschichten, die sie mit uns teilten, für mich sogar bewegender und wertvoller waren als die aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die Zukunft unseres Projektes sehe ich um die gegenwärtigen Konflikte und Schlüsselereignisse erweitert. Es ist die Chance zum Gespräch mit den Zeitzeugen, über die dann in den Geschichtsbüchern geschrieben wird.

Ende

Die letzte Aktivität unseres Treffens in Oldau war ein Simulationsspiel zum Leben auf einer menschenlosen Insel. Wir wurden in drei Gruppen aufgeteilt, jede war für einen anderen Aspekt des Lebens auf der Insel zuständig. Unsere Arbeit verwandelte sich sehr schnell in einen Wettbewerb und wir lernten, glaube ich, dass es sehr schwer ist, gerechte und wirksame Gesetze zu erlassen. Es war der letzte Teil eines beinahe ein Jahr lang dauernden Projektes. Wir haben den finalen Effekt in Form von Interviews fertiggestellt, welche man sich bereits auf der Projekthomepage http://www.dialogue-of-generations.org anschauen kann. Wir sprachen auch über die Zukunft des Projektes. Wir haben uns voneinander verabschiedet und wussten, dass es schon unser letztes Treffen war, wir nahmen jedoch eine Menge an Wissen und Erfahrungen, sowie Motivation zum weiteren Handeln mit.

Aleksandra Peisert, Teilnehmerin aus Polen

Das Projekt wurde von der Internationalen NGO Foundations for Freedom/Ukraine, der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz/Polen und der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen/Deutschland in Zusammenarbeit mit der Friedrich Ebert Stiftung Vertretung in Polen organisiert und aus den Mitteln des Auswärtigen Amtes der BRD, des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) und der Friedrich Ebert Stiftung Vertretung in Polen finanziert.

Projektkoordination: Elżbieta Pasternak, IJBS Oświęcim/Auschwitz

Hotel Services

Zur Verfügung unserer Gäste stehen drei großzügig angelegte Wohnpavillons mit 100 Übernachtungsplätzen in Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfbettzimmern.

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