GEGENSTÄNDE UND DOKUMENTE

– ZEUGEN DER GESCHICHTE – NEUE KONZEPTE IN DER INTERNATIONALEN GEDENKSTÄTTENPÄDAGOGIK
DEUTSCH-POLNISCHES SEMINAR FÜR MULTIPLIKATOR*INNEN
Termin:
03.11.-07.11.2018, IJBS Oświęcim/Auschwitz
Organisation:
IJBS Oświęcim/Auschwitz, International Tracing Service Bad Arolsen/Deutschland
Koordination:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Gegenstände und Dokumente – Zeugen der Geschichte – Neue Konzepte in der internationalen Gedenkstättenpädagogik

Zusammenfassung des Seminars für Gedenkstättenpädagog*innen und Lehrer*innen aus Polen und Deutschland

Was ist „das Wesen“ des historischen Lernens in den Gedenkstätten heute, besonders im deutsch-polnischen Kontext und im Angesicht der deutschen und polnischen Erinnerungskulturen? Was sind die aktuellen Ziele der pädagogischen Arbeit an Erinnerungsorten? Welche Methoden sind derzeit in der Jugendarbeit besonders relevant? Insbesondere diese Fragestellungen bildeten den Leitfaden des deutsch-polnischen Seminars.

Der erste Seminartag war der Arbeit mit Archivmaterialien und den. sog. Effekten aus den Beständen des ITS (International Tracing Service) Bad Arolsen gewidmet. Eine Vielzahl von Schriftstücken ist während der NS-Zeit in der Verwaltung nationalsozialistischer Konzentrationslager entstanden, gleichermaßen wurden viele persönliche Gegenstände von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Heutzutage können sie als historische Zeugnisse in der pädagogischen Arbeit in Gedenkstätten, Bildungseinrichtungen und Schulen - idealerweise als Ergänzung zu den regulären Lehrmaterialien - eingesetzt werden. Die ersten Schritte in dem Bereich hat der ITS mit den Projekten #StolenMemory und „documentED“ gemacht. Bei ersterem handelt es sich um die Rückgabe der von den Nationalsozialisten beschlagnahmten persönlichen Gegenständen an Familienangehörige. Der Titel des zweiten Projekts setzt sich aus den Worten „documents“ und „education“ zusammen. Hierbei geht es um dokumentengestützte Vor- und Nachbereitung von KZ-Gedenkstättenbesuchen.

Die Seminargruppe testete unter der Leitung von Elisabeth Schwabauer und Anna Meier-Osiński vom ITS Bad Arolsen u.a. das Online Tool eGuide: https://eguide.its-arolsen.org und lernte Familiengeschichten aus der NS-Zeit kennen, die im Rahmen des Projekts #StolenMemory entdeckt wurden. In der Auswertungsdiskussion ergaben sich verschiedene Fragen in Bezug auf notwendige Voraussetzungen für die Auseinandersetzung mit den Dokumenten und deren Kontextualisierung sowie die Bedeutung der Erinnerungsstücke für die Nachfahren der Opfer.

Den Einstieg in die Konfrontation mit dem historischen Ort Auschwitz bildete die Präsentation des Konzeptes der neuen Dauerausstellung in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, die von Dr. Alicja Białecka, der Leiterin des Arbeitsteams, vorgestellt wurde. Im Rahmen der Studienführungen im Stammlager Auschwitz I und Auschwitz II-Birkenau entdeckte die Gruppe verschiedene Aspekte der Geschichte von Auschwitz und dem Holocaust. Ergänzt wurden die Führungen durch Besuche in der Kunstausstellung (Sammlung von illegaler und legaler Lagerkunst), in der Konservatorischen Abteilung und durch einen Besuch im Archiv, bei welchem der Archivleiter Dr. Wojciech Płosa Einblicke in die einzigartige Dokumentensammlung von Władysław Rath gewährte. Die verschiedenen Blickwinkel erlaubten den Teilnehmer*innen eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Erinnerung an die Geschehnisse am historischen Ort Auschwitz. In Folge dessen entstanden viele Ideen, wie man den Wert von Erinnerungen in den pädagogischen Kontext einbringen kann.

Eine besondere Erfahrung für die Seminarteilnehmer*innen war die Begegnung mit Martine und Jeanita van Dam, den Enkelinnen von Nathan van Dam, einem Überlebenden des Holocausts. Die Geschichte der Familie van Dam wurde durch das Projekt #StolenMemory entdeckt und aufgebarbeitet. Die beiden Schwestern berichteten in einem spannenden Vortrag über die vom ITS Bad Arolsen initiierte Rückgabe des Portemonnaies ihres Großvaters an die Familie: https://www.its-arolsen.org/en/exhibits/stolenmemory/

Das neugewonnene Wissen und die neuen Erfahrungen sollen den Seminarteilnehmer*innen zukünftig bei der Organisation von Studienfahrten nach Oświęcim/Auschwitz für polnische und deutsche Jugendliche behilflich sein. Ein weiterer bedeutsamer Unterstützungsfaktor hierfür bildet hier die Kooperation mit dem ITS Bad Arolsen, der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und der IJBS Auschwitz.

Die Projektpartner sind: International Tracing Service Bad Arolsen/Deutschland, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau in Oświęcim/Polen, IJBS Oświęcim/Auschwitz/Polen.

Das Seminar wird aus den Mitteln des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) und der Stiftung für das Gedenken an die Opfer des KL Auschwitz-Birkenau in Oświęcim finanziert.

logotypy

Koordination des Projektes: Elżbieta Pasternak

Hotel Services

Zur Verfügung unserer Gäste stehen drei großzügig angelegte Wohnpavillons mit 100 Übernachtungsplätzen in Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfbettzimmern.

Mehr