ERINNERUNGSKULTUREN

ZU DEM 2. WELTKRIEG UND DEM HOLOCAUST- BEFREIUNG UND KRIEGSENDE: POLEN, BELARUS, DEUTSCHLAND
DEUTSCH-POLNISCH-BELARUSSISCHEN SEMINAR FÜR STUDENT_INNEN UND GESCHICHTSINTERESSIERTEN PERSONEN
Termin:
1. Teil: 02.12.-08.12.2019, IJBS Oświęcim, Warschau
Organisation:
IJBS Oświęcim/Auschwitz, Geschichtswerkstatt Minsk/Belarus, Bayerischer Jugendring K.d.ö.R in München/Deutschland, Agentur für Bildung – Geschichte, Politik und Medien e.V. in Berlin/Deutschland, Abteilung für interkulturelle Studien Mittel- und Osteuropas, Universität Warschau/ Polen, Abteilung für Didaktik der Geschichte und Public History, LMU in München/ Deutschland, Abteilung für Didaktik der Geschichte, FU in Berlin/ Deutschland
Koordination:
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Bericht vom Seminar „Erinnerungskulturen zum 2. Weltkrieg und dem Holocaust: Befreiung und Kriegsende - Polen, Belarus, Deutschland“ Seminar für historisch interessierte junge Erwachsene und Student*innen

Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Öffnung der Archive im Rahmen der europäischen Erinnerungsgemeinschaften verstärken sich die Asymmetrien und Grenzen. Während unseres internationalen Seminars versuchten wir die eigenen Erfahrungen in Bezug auf die Rezeption des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust in der polnischen, deutschen und belarussischen Gesellschaft und ihren Platz in der privaten sowie in der nationalen Erinnerungskultur auszudiskutieren und ein „dialogisches Erinnern“ aufzubauen. Dreißig Studierende aus Polen, Belarus und Deutschland sind zum Seminar, das in der IJBS Auschwitz in den Tagen 2.-8.12.2019 stattfand, angekommen.

Nach dem gegenseitigen Kennenlernen und einem Austausch zu Erwartungen und Befürchtungen vor dem Seminar haben wir uns zum Auftakt der Seminararbeit mit dem Begriff „Erinnerungskultur“ beschäftigt. Wir haben die Studierenden zum Workshop eingeladen, bei dem sie in Kleingruppen die Formen der bewussten Erinnerung an Auschwitz, den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg sowie die Formen der Repräsentation von Geschichte analysiert haben: Zeremonien, Gedenkstage, Denkmäler, Museen, Fotografien in ihrer materiellen, funktionellen und symbolischen Dimension (P. Nora Les lieux de mémoire/sites of memory). Dabei wurden viele Ähnlichkeiten aber auch viele Unterschiede von Nation zu Nation entdeckt und erklärt. Vertieft wurde diese Auseinandersetzung durch einen Vortrag von Dr. Kuzma Kozak von der Geschichtswerkstatt Minsk zu unterschiedlichen erinnerungskulturellen Konzepten wie denen von Jan und Aleida Assmann sowie Pierre Nora.

Gemeinsam überlegten die Seminarteilnehmer*innen dabei die Fragen: Erschwert die nationale Erinnerungskultur die transnationalen Beziehungen? Wie ändert sich die Erinnerungskultur in den multikulturellen Gesellschaften? Sollten wir uns lieber erinnern oder vergessen? Bedeutet die Erinnerungskultur eine Konzentration auf die Vergangenheit und verhüllt sie damit die Zukunft? Oder ist sie notwendig um die Zukunft entdecken zu können?

Wir hörten dann dem Vortrag von Dr. Piotr Setkiewicz (Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau) zur Entstehungsgeschichte und den Entwicklungsphasen des KL Auschwitz zu. Nach den Studienführungen auf dem Gelände der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau unter der Leitung von Guides des Museums interessierte uns der Prozess der Gestaltung der Erinnerung an die historischen Ereignisse nach der Befreiung und dem Kriegsende in Polen. Die wichtigsten Wendepunkte und Entscheidungen im Prozess der Memorialisierung erläuterte uns Dr. Jacek Lachendro vom Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau. Zwei weitere Projekttage verbrachten die Seminarteilnehmer*innen in Warschau, wo sie sich mit den Erinnerungskonzepten am Beispiel der ständigen Ausstellungen im Museum der Stadt Warschau und im POLIN Museum bekannt machten. Der spezielle Augenmerk galt der Phase des Wiederaufbaus Warschaus und dem Schicksal der polnischen und jüdischen Bevölkerung vor dem Hintergrund des kommunistischen Systems, das nach 1945 in Polen installiert wurde. Im Workshop wurde das Schicksal der Überlebenden vom Warschauer Aufstand und der Begriff „Warszawscy Robinsonowie” (Warsow Robinsons) thematisiert: Warum haben sie entschieden, sich in den Ruinen der verlassen Stadt zu verstecken? Wie haben sie sich auf die Isolation vorbereitet? Vor welchen Problemen und Herausforderungen standen sie? Wie haben sie es geschafft zu überleben? Bei Gesprächsrunden im Museum Polin diskutierten wir über die Gestaltung der Erinnerung an die ermordeten jüdischen Pol*innen und die Rolle des Museums Polin in der Aufbewahrung dieser Erinnerung vor dem Hintergrund der jetzigen Geschichtspolitik in Polen.

Trotz der verschiedenen Hintergründe hat sich aus drei unterschiedlichen Gruppen eine gemeinsame Gruppe, die offen für den Dialog ist, formiert. Die methodische Mischung aus Vorträgen, Exkursionen und Workshoparbeit, letztere auch in gemischt-nationalen Gruppen, hat sich bewährt. Im Rahmen von Seminaren mit Teilnehmenden aus ehemals besetzten Ländern können Emotionen an unterschiedlichen Stellen auftreten. Bei einzelnen Teilnehmer*innen war der erste Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz ein Trigger. Gemeinsam konnten die Teilnehmer*innen in der Gesamtgruppe jedoch gut aufgefangen werden. Der Besuch in Minsk/Belarus und in Nürnberg/Deutschland findet 2020 statt, wo wir näher die belarussische und deutsche Erinnerungskultur betrachten werden.

Projektpartner: Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz/Polen; Geschichtswerkstatt Leonid Levin der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte J. Rau in Minsk/Belarus; Bayerischer Jugendring in München/Deutschland; Agentur für Bildung – Geschichte, Politik und Medien e.V. in Berlin/Deutschland; Lehrstuhl für Internationale Studien von Mittel- und Osteuropa, Universität Warschau/Polen.

Finanzielle Unterstützung: Deutsch-Polnisches Jugendwerk; Die Stiftung für das Gedenken an die Opfer des KL Auschwitz-Birkenau in Oświęcim; Förderverein für die IJBS Oświęcim/Auschwitz.

Projektkoordination in Polen: Elżbieta Pasternak

Hotel Services

Zur Verfügung unserer Gäste stehen drei großzügig angelegte Wohnpavillons mit 100 Übernachtungsplätzen in Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfbettzimmern.

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