Auswertung, 2.Teil

Menschenrechte gestern und heute - Fair Arbeiten

Im Rahmen der Fortsetzung des im März in Bad Liebenzell begonnenen deutsch-polnischen Seminars für Jugendliche, das dem Problem fairer Arbeit in der Gegenwart gewidmet war, trafen sich wieder Seminarteilnehmende- Schüler des Lyzeums in Kęty und des Lyzeums in Sławków und ihre deutschen Partner aus dem Gymnasium in Weil der Stadt, in Oświęcim/ Auschwitz, um dieses Mal den geschichtlichen Aspekt der Zwangsarbeit der Zivilarbeiter und Häftlinge im KL Auschwitz kennenzulernen.

Das Programm des Seminars eröffnete das Treffen mit Piotr Duda, dem Vorsitzenden des Landesvorstandes der Unabhängigen Selbstverwalteten Gewerkschaft „NSZZ Solidarność“. Das Ziel dieses Treffens war die Annährung der Jugendlichen an die Art und Bereiche der Tätigkeit der polnischen Gewerkschaften. Die Informationen, die die Jugendlichen während des Treffens erfuhren, gestatteten ihnen die Möglichkeit die polnischen Umstände der Arbeit der Gewerkschaften mit den deutschen, die sie während des Besuches beim DGB in Stuttgart kennenlernten, zu vergleichen (darüber haben wir in der 48/2012 Nummer der Zeitschrift „Oś“ berichtet). Zum zweiten Mal überzeugten sich die Jugendlichen, wie viel individuelles und kollektives Handeln im Bezug auf die Beachtung der Menschenrechte und das Befolgen des Arbeitsrechts bedeuten. Das Treffen mit dem Vorsitzenden Duda und der nachfolgende Workshop, der vom Trainer der „NSZZ Solidarność“ Janusz Zabiega durchgeführt wurde, schlossen die Arbeit am gegenwärtigen Aspekt der fairen Arbeit im deutschen und polnischen Kontext ab.

In den folgenden Tagen befassten sich die polnischen und deutschen Jugendlichen mit dem Thema der Zwangsarbeit während des 2. Weltkrieges. Der Programmblock fing mit der Besichtigung von Oświęcim im Bezug auf den geschichtlichen Kontext des Lebens der Juden und Polen in der Stadt vor dem 2. Weltkrieg und mit dem Besuch des Jüdischen Zentrums an. Dies gab die Möglichkeit die Kultur der jüdischen Gesellschaft den Jugendlichen näherzubringen. Der Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau verschaffte ihnen Wissen über die Arbeits- und Existenzbedingungen der Häftlinge des Konzentrations- und Vernichtungslagers. Während des Workshops „Spurensuche im KL Auschwitz III-Monowitz” wurden die Jugendlichen mit den Grundsätzen des Funktionierens des Arbeitslagers und mit der Ausbeutung der Häftlinge auf der Baustelle der IG Farben bekannt gemacht.

Dies bereitete die jungen Menschen auf ein persönliches Treffen mit den Zwangsarbeitern „für das III. Reich“ aus Auschwitz vor. Es waren Frau Halina Lekacz und Herr Eugeniusz Daczyński. Die Gespräche mit den Zeitzeugen ermöglichten den Jugendlichen eine emotionale Annäherung, aber sie erhielten auch viele Informationen über das Leben eines Jugendlichen in der Zeit des 2. Weltkriegs. Frau Lekacz arbeitete seit dem 14-ten Lebensjahr bei deutschen Familien. Herr Daczyński wurde als 17-jähriger beim Bau der IG Auschwitz eingestellt. Beide Nationalgruppen nahmen sehr aktiv am Treffen teil. Wie die Teilnehmer selbst feststellten, veranschaulichte und verdeutlichte ihnen die frühere Vorbereitung auf das Treffen das Ausmaß der Ausbeutung und die Existenzbedingungen, die im Arbeits- und Vernichtungslager herrschten. Somit konnten sie besser das verstehen und erleben, worüber die Zeitzeugen berichtet haben. Am vorletzen Tag des Seminars besichtigte die Gruppe Krakau unter dem Aspekt der Zwangsarbeit im Ghetto, KL Płaszów und in der Schindlers Fabrik. Der Besuch in Krakau endete am Hauptmarkt, wo die Gruppe einige interessante Beispiele der Zwangsarbeit der Juden zu hören bekam. In der Freizeit sammelten die Teilnehmer Aussagen von zufälligen Passanten, machten Interviews, sammelten Meinungen und zusätzliche Materialien die für die Evaluierung des ganzen Seminars von Bedeutung waren.

Die Evaluierung des deutsch-polnischen Jugendtreffens zielte auf das Entstehen einer Zeitung ab, die nicht nur ein Bericht über das Seminar, eine einzigartige Sammlung von Emotionen und Erlebnissen der Teilnehmer, sondern auch eine Erinnerung an das außergewöhnliche Treffen sein sollte. Dr. Alicja Bartuś führte die Jugendlichen schon in den ersten Tagen des Seminars in die Geheimnisse des Artikelschreibens und der Arbeit an einer Zeitung ein. In den nächsten Tagen arbeiteten die Jugendlichen in den Pausen zwischen den einzelnen Programmpunkten, in gemischten Gruppen, engagiert zusammen. Dies verlieh dem Seminar eine besondere Bedeutung im Sinne der deutsch-polnischen Begegnung. Am letzen Tag erfolgte die Präsentation der Endergebnisse der Arbeit und eine herzliche Verabschiedung der deutschen Gruppe. Die entstandene Zeitung ist nicht nur das Ergebnis einer gelungenen Zusammenarbeit und des Engagement beider Gruppen, sondern auch ein Beweis einer freundschaftlichen Atmosphäre, die den jungen Menschen gelungen ist zu schaffen.

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