Wie reden und worüber?

Dialog in schwierigen Zeiten

Am 16.-18. März fand in der IJBS die Konferenz „Oświęcim/Oszpicin/Auschwitz. Wie reden und worüber? Dialog in der Krise“ statt, die in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Auschwitz Komitee durchgeführt wurde.

Die Konferenz begann mit der Podiumsdiskussion u.d.T. „Wem gehört Auschwitz“. Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, führte ein Gespräch mit dem ehemaligen Häftling u.a. des KZ Auschwitz, Marian Turski, sowie mit Vertretern der zweiten Generation nach Auschwitz, Krystyna Oleksy, der langjährigen stellvertretenden Bildungsdirektorin im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau und Vorstandsvorsitzenden der Stiftung zum Gedenken an die Opfer von Auschwitz-Birkenau, sowie Piotr Wiślicki, dem Vorstandsvorsitzenden des Jüdischen Historischen Instituts in Polen, durch. Heute kommt noch keiner von all diesen Personen, die sich für den polnisch-israelischen Dialog engagieren, in den Sinn, sich gegenseitig unehrlicher Absichten zu verdächtigen. Waren diese Entwicklung der jüdischen Kultureinrichtungen, des jüdischen Lebens in Polen und dieser enorme Anstieg des Interesses an der jüdischen Kultur unter Polen nur eine Schauspielerei? Das waren sie bestimmt nicht, stellte Krystyna Oleksy fest. Marian Turski diagnostizierte die jetzige Situation: Es stellt sich heraus, dass es offensichtlich neue Gegebenheiten gibt, die dazu führen, dass gewisse Dinge wieder auftauchen und dann alte Ressentiments, alte Gewohnheiten wiederaufleben, sodass auch sozusagen eine gewisse Kontinuität der Ideologie gegeben ist. Und dann entstehen solche Konflikte, sagte er. Ich mache mir keine Sorgen um die staatlichen Beziehungen zwischen Polen und Israel, denn diese beiden Staaten brauchen einander. Früher oder später werden sie es regeln, denn sie brauchen sich gegenseitig. Aber die Verwüstungen in der Mentalität… Worüber ich entsetzt bin, ist die Akzeptanz für Äußerungen, die sich zuvor seit vielen Jahren kein anständiger Mensch erlaubt hat, kommentiert M. Turski.

Zu den gegenwärtigen Problemen stellte Piotr Wiślicki fest, dass sich der polnisch-jüdische Dialog jahrelang entwickelt hatte: Man kann nicht sagen, dass das ein problemloser Dialog war, aber alle verstanden, dass große Anstrengungen unternommen wurden und dass es eine wichtige Lehre war, um zu zeigen, was Auschwitz für Juden bedeutet – damit die Polen nachvollziehen können, was Auschwitz für die Juden bedeutet. Das war auch eine wichtige Lehre, um all diesen jungen Juden zu zeigen, was Auschwitz für die Polen bedeutet.

An der ersten Podiumsdiskussion am Samstag unter dem Titel „Auschwitz – Geschichte, Gegenwart, Zukunft. Schatten der Erinnerung“ nahmen folgende Personen teil: Sabine Adler, deutsche Journalistin, Deidre Berger, Direktorin des American Jewish Committee in Berlin, Ewa Junczyk-Ziomecka, Vorsitzende der Jan-Karski-Bildungsstiftung aus Warschau, sowie Michał Sobelman, Historiker, Publizist, Übersetzer und Drehbuchautor. Die Diskussion wurde durch Krystyna Oleksy moderiert. Die Konferenzteilnehmer – Pädagogen, Lehrer, Vertreter von Bildungseinrichtungen aus Polen und Deutschland, stellten viele Fragen, u.a. zur gegenwärtigen politischen Situation in Polen.

Zur dritten Konferenzdiskussion „Wenn die Erinnerung teilt. Dialog in der Krise“, die durch Alicja Bartuś moderiert wurde, luden wir den Priester Manfred Deselaers vom Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim, Jacek Lepiarz, den Journalisten der Deutschen Welle, und Agnieszka Markiewicz, Direktorin des American Jewish Committee in Warschau, ein. Während der Podiumsdiskussion am Sonntag unter dem Titel „Erinnerung und Bildung. Kontroversen, Konflikte, Ziele“ versuchten Karol Becker, israelische Pädagoge, Historiker, Journalist und Philosoph, Ines Doberanzke-Milnikel, Vertreterin des Konzernes Volkswagen Coaching, die seit vielen Jahren für die Projekte der Studienreisen der Auszubildenden nach Auschwitz zuständig ist, Judith Hoehne-Krawczyk, Pädagogin in der IJBS und Vertreterin der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, Andrzej Kacorzyk, stellvertretende Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau und Direktor des Internationalen Zentrums für Bildung über Auschwitz und den Holocaust, sowie Robert Szuchta, Geschichtslehrer, Mitarbeiter des Museums der Geschichte der polnischen Juden POLIN, Miturheber u.a. des Programms des Lehrens über den Holocaust, die Frage zu beantworten, wie schwierige Geschichte zu unterrichten ist. Das Gespräch wurde durch Leszek Szuster moderiert.

Fotos Dominik Smolarek

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