Kinder des Krieges

Kinder des Krieges

Das Schicksal der Kinder zu der Zeit der Kriege und Waffenkonflikte wurde in der 7. Internationalen Konferenz „Auschwitz und der Holocaust vor dem Hintergrund der Völkermordverbrechen des 20. und 21. Jahrhunderts“ thematisiert, die Ende Juni in Oświęcim stattfand

Das Leitthema der diesjährigen Konferenz war das Schicksal der Kinder in Konzentrationslagern und Gulags, der Kindersoldaten und der jüdischen Kinder, die während des Zweiten Weltkrieges versteckt leben mussten. Es wurde über das Bildungssystem zur Zeit des Nationalsozialismus und Stalinismus sowie über den Einfluss der Hasssprache und Propaganda - auch heutzutage - auf die Psyche der Kinder diskutiert. Daher wurde auch auf die Situation der kleinen Flüchtlinge Bezug genommen, die heute vor dem Krieg in Syrien fliehen.

Das Thema, das wir aufgreifen, ist äußerst schwierig und verantwortungsvoll. Wenn wir an Kinder denken, denken wir an unsere ganze Welt. Heute denken wir an die Hunderttausende Kinder, die nach Auschwitz verschleppt wurden, an jüdische, slawische, u. a. polnische, an Roma- und Sinti-Kinder. Das Ausmaß dieser Tragödie können wir uns nur aufgrund der Erfahrungen der wenigen Überlebenden vorstellen. Manche nahmen aus dem Lager nur die auf dem Unterarm tätowierte Häftlingsnummer auf den weiteren Weg mit, ohne ihren Vor- bzw. Nachnamen zu wissen. Manche wussten nicht mal ihr Geburtsdatum, sagte Andrzej Kacorzyk, der Direktor des Internationalen Bildungszentrums über Auschwitz und den Holocaust.

Ich möchte, dass wir bei dieser Konferenz an das tragische Schicksal der Kinder in Auschwitz, der jüdischen Kinder, die unter dem Holocaust gelitten haben, und der mit ihren Familien nach Sibirien verschleppten Kinder zurückdenken und dass wir Herz und Kopf dafür öffnen, was heute weltweit passiert: für das Leid der unzähligen Opfer der Kriege, der wirtschaftlichen Ausbeutung, des Menschenhandels, für das grausame Schicksal der Kinder, die als Soldaten bzw. Terroristen in den Kampf geschickt werden. Unsere Sensibilität, basierend auf fundierten Kenntnissen, möge dabei zum wichtigen Werkzeug bei der Arbeit mit Schülern, Studenten und Leuten, denen wir tagtäglich begegnen, werden, appellierte Dr. Alicja Bartuś, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung für die Internationale Jugendbegegnungsstätte.

Die Konferenz wurde von dem Kinderbeauftragten Marek Michalak eröffnet, der über den Rechtschutz der Kinder während des Krieges sprach, wobei er Folgendes betonte: Das Problem, dass Normen zum Kinderschutz während der Waffenkonflikte kaum wirksam sind, ist nicht ausschließlich rechtlicher Natur. Die rechtlichen Grundlagen zur Umsetzung dieses Kinderschutzes sind schon ausreichend. Die wichtigste und zugleich schwierigste Frage bei der Vorbeugung der Kinderrechtsverletzung scheint das Verständnis der Natur der Menschenrechte zu sein, darunter Rechte des Kindes, das meist wehrlos dasteht. Dieses Bewusstsein ist die beste Garantie für die Wahrung der Rechte der „kleinen Menschen" in jeder Situation und unter allen Umständen.

Unter den Rednern waren zwei Auschwitz-Überlebende: Batszewa Dagan und Hanna Ulatowska.
Kinder stellen sehr schwierige Fragen, mitunter schwieriger als Erwachsene. Und eben von Kindern habe ich gelernt, was und wie ich schreiben soll, erzählte Batszewa Dagan, die eine Methode entwickelt hat, die hilft, Kindern und Jugendlichen das Wissen über Shoah zu übermitteln. Nachdem ein Schüler in Polen mal eine meiner Erzählungen gehört hatte, sagte er mir: „Das ist eine kluge Erzählung, denn sie verängstigt nicht”. Alle meine Kinderbücher, die über die Zeit der Vernichtung erzählen, haben ein Happy End. Ich will ja den Kindern den Glauben an Menschen nicht wegnehmen.
Hanna Ulatowska, eine Dozentin von der Universität Dallas, hat in ihrem Vortrag gezeigt, wie Kinder ihre Vergangenheit durch die Kunst ausdrücken und inwieweit die Kunst die Auseinandersetzung mit dem Kriegstrauma unterstützen kann.

Im Kreis von über 130 Konferenzeilnehmern gab es Lehrer, Doktoranden und Dozenten von den meisten polnischen Hochschulen sowie Vertreter der Gedenkstätten. Nach Oświęcim kamen auch Gäste aus den USA, aus Israel, Großbritannien und Russland an. Insgesamt wurden 51 Referate im Bereich Geschichte, Soziologie, Pädagogik, Recht und Psychologie gehalten.

Konferenzveranstalter: Stiftung für die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz, Internationales Bildungszentrum über Auschwitz und den Holocaust im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau und Stiftung des Gedenkens an die Opfer des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.
Die Konferenzveranstalter wurden durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung, das Museum Stutthof, das Institut für Geschichte und Archivistik der Pädagogischen Universität Krakau und das Holocaustforschungszentrum der Jagiellonen-Universität unterstützt.

(NN)

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