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Auschwitz erinnern - Menschenrechte in unserer Welt

Workshops für Studiengruppen

Die Pädagogische Abteilung der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz realisiert Workshops für Studiengruppen im Rahmen des Projektes: Auschwitz erinnern – Menschenrechte in unserer Welt.

Die IJBS hat sich zur Aufgabe gemacht, die Aktivitäten in der Pädagogischen Abteilung in den Jahren 2009-2013 auf den Bereich Menschenrechte zu fokussieren. Die Botschaft von Auschwitz wird dabei auf die aktuellen Probleme der Achtung von Menschenrechten konkret bezogen. Außer den grundlegenden Bausteinen, wie der Studienführung in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau oder das Zeitzeugengespräch, werden während der Studienreisen und Seminare Workshops zu folgenden Themen angeboten:


Menschenrechte und Propaganda - Menschenrechtsverletzungen damals und heute

 Workshop für Jugendliche im Rahmen der Studienfahrten in die IJBS Oświęcim/Auschwitz
Ewa Guziak

 

Der Beschluss der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948 war die Antwort auf die historische Ungerechtigkeit, zu der es im 2. Weltkrieg gekommen war.
Stephane Hessel, einer der Autoren der Deklaration, schrieb1998 über deren Bedeutung:  

Als der Krieg zu Ende war, dachten wir: Entweder geht jetzt die Welt unter, oder kommt etwas ganz Neues. Und was war dieses Neue? Es war der Sieg einer neuen, anderen Vision des Menschen und der Gesellschaft.
Angesichts dieser Worte ist die Menschenrechtserziehung der jungen Generationen am Beispiel konkreter historischer Ereignisse, nach fast über 60 Jahren ihres Beschlusses, heute eine Notwendigkeit.
Die Idee des Workshops ist, den Jugendlichen einerseits auf Grundlage einer Multimediapräsentation die Methoden und Propagandaelemente, die durch die Nationalsozialisten im Dritten Reich angewandt wurden, näher zu bringen. Des Weiteren soll im Workshopteil eine Diskussion der Jugendlichen auf Grundlage von einigen ausgewählten Themen unter Berücksichtigung konkreter Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte angestoßen werden.  
Die Verbindung des historischen Themas mit heutigen Problemen ist für die TeilnehmerInnen des Workshops interessant und ermöglicht einen tieferen Blick auf die heutige Welt.

Zielgruppe: Jugendliche von 16-18 Jahren
Dauer: 2-3 Stunden

Leitung:  Ewa Guziak


 

Ein Beispiel für Zivilcourage - Irena Sendler - die Retterin der jüdischen Kinder aus dem Warschauer Ghetto

 Workshop für Jugendliche im Rahmen der Studienfahrten in die IJBS Oświęcim/Auschwitz
Anna Meier

 

Irena Sendler 1910 geboren, verstarb 2008 im Alter von 98 Jahren in einem bescheidenen Zimmerchen in einem katholischen Wohnheim in Warschau. Sie war zu ihren Lebzeiten auch in Polen lange Zeit in Vergessenheit geraten, da sie wie der Großteil des polnischen Untergrunds und Widerstands, der antideutsch und antisowjetisch war, nach dem Krieg Repressionen von Seiten des in Abhängigkeit an die Sowjetunion errichteten Staates ausgesetzt war und dadurch die Erinnerung an Menschen wie sie von offizieller Seite mit einem Tabu belegt wurden.
Erst 1965 wurde Irena Sendler von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet, 2003 erhielt sie von der polnischen Regierung die höchste polnische Ehrung, den weißen Adler für Mut und Tapferkeit. Ab 2007 wurde Irena Sendler zweimal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Bis kurz vor ihrem Tod schrieb die polnische Journalistin Anna Mieszkowska mit ihr zusammen an ihrer Biographie, die die Grundlage für den Workshop bildet.
Irena Sendler rettete 2.500 Kinder aus dem Warschauer Ghetto. Für die Rettung von jüdischen Mitbürgern galt im besetzten Polen, als einziges besetztes Land, die Todesstrafe. Irena Sendler persönlich steht hierbei stellvertretend für ein der rigiden deutschen Besatzungspolitik unterworfenes Schicksal im besetzten Polen und zusätzlich als ein außergewöhnliches Beispiel für Zivilcourage und selbstloses Handeln.

In acht Kleingruppen werden die wichtigsten Stationen ihres Lebens, die gleichzeitig auch wichtige historische Ereignisse markieren (Warschauer Ghetto, Warschauer Ghetto Aufstand 1943 und Warschauer Aufstand 1944) herausgearbeitet und im Anschluss als kleine Präsentationen der gesamten Gruppe vorgestellt.
Durch die Beschäftigung mit der Biographie Sendlers erarbeiten sich die TeilnehmerInnen eigenständig Wissen über den polnischen Untergrundstaat, die Untergrund-Tätigkeiten Irena Sendlers und setzen sich mit dem Thema Zivilcourage auseinander.
Polen hatte den größten Widerstand im besetzten Europa, er unterstand ebenso wie die Untergrundarmee Armia Krajowa der polnischen Exilregierung in London. Dieser organisierte Gerichte, fliegende Universitäten und geheime Schulen, eine Untergrundpresse, Verlage und bereitete u.a. den bewaffneten Aufstand in Warschau vor.
Irena Sendler gehörte der Untergrundorganisation Żegota (Rat für die Unterstützung der Juden) an, dieser rettete von 1942 bis 1945 75.000 polnische Juden. Irena Sendler organisierte in dieser Zeit die Kindersektion.  
Im Anschluss an die gemeinsame Erarbeitung der Biographie wird in einer Abschlussdiskussion herausgearbeitet, was Irena Sendler befähigte, motivierte und in wieweit uns heute Alltagssituationen aus unserem Umfeld einfallen, bei denen gegen Menschenrechte verstoßen wird und wann und auf welche Art und Weise wir persönlich Zivilcourage zeigen können.


Zielgruppe: Jugendliche ab 16 Jahren
Dauer: 2-3 Stunden
Leitung:  Anna Meier


 

Völkermord in Geschichte und Gegenwart: Auschwitz und Ruanda - Beispiele für Widerstand und Zivilcourage

 Workshop für Jugendliche im Rahmen der Studienfahrten in die IJBS Oświęcim/Auschwitz
Teresa Miłoń-Czepiec

 

Im Jahre 1994 eskalierte der Konflikt in Ruanda, einer der tragischsten Abschnitte der Geschichte Afrikas und auch der ganzen Welt. Innerhalb von hundert Tagen wurden ungefähr eine Million Menschen ermordet. Hutu-Extremisten brachten kaltblütig Tutsi, oft eigene Nachbarn und Familienangehörige, um. Die Welt schaute dem erschütternden Völkermord gleichgültig zu.
Eine Einbindung des Völkermordes an den Tutsis in Ruanda in das Programm der Studienfahrt nach Auschwitz, hat als Ziel, den TeilnehmerInnen bewusst zu machen, dass Völkermorde, wie in Auschwitz geschehen, nicht ausschließlich geschichtliche Geschehnisse betreffen, sondern auch heute noch ein akutes Problem darstellen, da es immer noch Orte auf der Welt gibt, an denen ein Menschenleben keinen Wert hat und die viel zu wenig – wenn überhaupt – in der Öffentlichkeit thematisiert werden. Ansatzpunkt für die Workshoparbeit ist der Spielfilm „Hotel Ruanda”. Er dient den Jugendlichen als Einführung in die Thematik und schneidet die historisch bedingte Entstehung des Konflikts sowie den Verlauf des Völkermordes an. Gleichzeitig stellt sich den TeilnehmerInnen die Frage nach Mechanismen, die zu Genoziden wie in Auschwitz oder Ruanda geführt haben. Die im Film dargestellte, auf wahren Begebenheiten beruhende, Geschichte des Hotelmanagers Paul Rusesabagina, der während des Genozides 1268 Menschen vor dem sicheren Tod rettete, ist Ausganspunkt für den Teil des Workshops, in dem das Thema Zivilcourage im Mittelpunt steht. An seinem Beispiel sehen wir, dass auch ein normaler Mensch zu heroischen Taten fähig ist. In diesem Kontext stellen wir während der Gruppenarbeit die Fragen nach der Rolle der Medien und der Vereinten Nationen bei diesem Konflikt. Die wichtigste Frage betrifft jedoch uns selbst, nämlich unsere persönliche Verantwortung im Bezug auf unsere eigene Biographie. Letztendlich soll der Workshop die Jugendlichen in ihrer Überzeugung stärken, dass jeder Mensch durch persönliches Engagement in gewöhnlichen Situationen, also im täglichen Leben, vieles bewirken kann, wenn er/sie sich für die Rechte anderer, die Menschenrechte einsetzt.

Zielgruppe: Jugendliche von 16 - 18 Jahren
Dauer: Filmvorführung 2 Stunden; Workshop 2,5 Stunden
Leitung: Teresa Miłoń-Czepiec


 

Von der Banalität des Guten: Ziviler Widerstand und Zivilcourage
Oktober 1943. Die dänischen Juden - Rettung vor der Vernichtung

 Workshop für Jugendliche im Rahmen der Studienfahrten in die IJBS Oświęcim/Auschwitz
Elżbieta Pasternak

 

Rettungsaktionen als nicht-kämpferische Formen des Widerstands wurden bis Anfang der 1990er Jahre nahezu gänzlich ignoriert. Möglicherweise wurden die Geschichten derjenigen, die Verfolgte versteckt, versorgt oder ihnen zur Flucht verholfen hatten, tabuisiert, weil sie auf die Unterlassung der Mehrheit verwiesen hätten. Seit Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste” kommen die vergessenen Helden, von denen viele sehr spät oder gar nicht offiziell geehrt wurden, vermehrt in das öffentliches Blickfeld. Die Geschichten der „stillen Retter und Retterinnen” verweisen uns auf das Leben und Überleben anderer und eröffnen das Bewusstsein, dass auch im Nationalsozialismus Solidarität mit den Ausgegrenzten möglich gewesen wäre und diese Solidarität manchmal gelebt wurde. (Aus: Verena Haug, „Rettergeschichten aus pädagogischer Perspektive – ein Diskussionsbeitrag”)
Im Rahmen des Workshops beschäftigen wir uns mit der Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Dänemark, dem Nationalsozialismus und der deutschen Besatzungspolitik wie auch mit den Strategien der dänischen Politik, dem dänischen Widerstand und den Aktionen zur Rettung von dänischen Juden im Oktober 1943. Zur Einführung beleuchten wir kurz das Besatzungssystem in dem nord - west - südlichen Halbkreis Europas anhand der Studie von Raul Hilberg. Dann folgt die Kleingruppenarbeit mit Text- und Bildquellen der Ausstellung „Oktober 1943. Die dänischen Juden – Rettung vor der Vernichtung“ (Hrsg. Königlich Dänisches Ministerium des Äußeren und das Museum des Dänischen Widerstands 1940-1945). Nach der wechselseitigen Führung durch die Ausstellungsplakate diskutieren wir gemeinsam anhand des historischen Beispiels und auch in Bezug auf die heutige Gegenwart die Fragen:
•    Welche Bedingungen sind Voraussetzungen zum Handeln?
•    Welche Wertmaßstäbe ermutigen Menschen zur Rettung eines Mitmenschen?
•    Welche Beweggründe veranlassen sie, sich unter Lebensgefahr zivilcouragiert einzumischen?
•    Sind sie mythische Heroen oder gewöhnliche Frauen und Männer?
•    Was heißt eigentlich Zivilcourage und was ziviler Widerstand?
Fakultativ bieten wir auch einen Dokumentarfilm „Die Schindlers - Retter mit Diplomatenpass” von Dietmar Schulz (Reihe ZDF–History, 2007) an.

Zielgruppe: Jugendliche ab 17 Jahren
Dauer: 2-3 Stunden
Leitung:  Ela Pasternak


Das Projekt wird vom Auswärtigem Amt gefördert.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 15. April 2010 um 10:32 Uhr
 
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